Die staatlich gekaufte Menge an Magermilchpulver mache etwa ein Fünftel der gesamten Jahresproduktion der EU aus, sagte der Vorstandsvorsitzende der Molkerei Humana, Rudolf Heidhues.

"Mit einer relativen Verknappung soll der Markt stabilisiert werden", erklärte Heidhues. In den vergangenen Monaten seien 81.000 Tonnen Butter und 203.000 Tonnen Magermilchpulver aufgekauft und eingelagert worden. Die staatlichen Interventionen sollten nach Meinung der Milchwirtschaft in den kommenden Monaten weitergehen. Es gebe bereits Bestrebungen in der EU, Butter und Magermilchpulver auch über den August hinaus aufzukaufen.

Heidhues verwies auf den drastischen Preisverfall bei vielen Produkten. "Der Preis für Butter hat sich seit dem Jahr 2007 nahezu halbiert." Zwar habe sich der Butterpreis im Juni stabilisiert, doch um eine Trendwende auf dem Milchmarkt zu erreichen, seien weitere Hilfen der Politik erforderlich. So könnten Zuschüsse für Exporte helfen, die Ausfuhren wieder anzukurbeln.

Die neuen "Butterberge" und "Milchseen" würden nicht nur helfen, den Preisverfall abzufedern. Sie könnten auch eingesetzt werden, um Preisspitzen in einem knappen Milchmarkt zu verhindern. "2007, als die Preise für Milchprodukte nach oben schossen, konnten keine Lagerbestände genutzt werden, weil es keine gab", sagte Heidhues.

Ähnlich wie im Energiebereich sind nach seiner Ansicht daher auch in der Milchwirtschaft Reserven sinnvoll. So sei das Wetter ein unberechenbarer Faktor auf dem weltweiten Milchmarkt. Missernten und Dürren trieben die Nachfrage stark nach oben.

Aber die Reserven hätten auch ihren Preis: Die Lagerkosten würden auf Millionensummen geschätzt. An eine Begrenzung der Milchproduktion durch Quoten glaubt Heidhues in der Zukunft nicht. "Es ist politischer Wille in der EU, die Quoten abzuschaffen", unterstrich er.