Im Auto-Bereich gibt es das Antriebskonzept längst. Jetzt hat das Thema auch die Krafträder erreicht: Piaggio wird Anfang kommenden Jahres den ersten Roller mit Hybridantrieb auf den Markt bringen – und verspricht für ihn Verbrauchswerte unterhalb von zwei Litern Benzin je 100 Kilometer.

Das neue Modell erweitert die dreirädrige MP3-Baureihe des Herstellers, die als besonderes Kennzeichen zwei Vorderräder trägt. Der Elektromotor und die Lithium-Ionen-Batterie sind beim MP3-Hybrid unter dem Sitz eingebaut.

Neben einem 15 PS starken Verbrennungsmotor mit 125 Kubikzentimeter Hubraum verfügt der Roller über einen 3,5 PS starken Elektromotor. Er kann den MP3 entweder gemeinsam mit dem Benzinmotor oder alleine antreiben. Rund 20 Kilometer Reichweite verspricht Piaggio für den rein elektrischen Betrieb.

Aber woher kommt der Strom? Gleich drei verschiedene Arten sind möglich. So arbeitet der Elektromotor beim Bremsen als Generator, der Bewegungsenergie zurückgewinnt und damit die Batterie lädt. Der Verbrennungsmotor kann zudem direkt als Energieerzeuger für die Batterie genutzt werden. Und dann lässt sich die Batterie einfach zu Hause an der Steckdose laden. Drei Stunden soll es dauern, bis der Akku komplett gefüllt ist, so der Hersteller.

Gerade im Stadtverkehr, wo Roller beliebt sind, lässt sich durch das Laden der Batterien beim Bremsen viel Energie gewinnen und so der Verbrauch senken. Bei 65 Prozent Hybrid- und 35 Prozent rein elektrischem Betrieb verspricht Piaggio einen Verbrauch, der unterhalb von zwei Litern Benzin pro 100 Kilometern liegt. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was das konventionell angetriebene Schwestermodell verbraucht. Zwar muss der Akku an der Steckdose geladen werden. Allerdings ist Strom deutlich günstiger als Benzin, das schont den Geldbeutel.

Fahren lassen sich die Hybrid-Roller trotz der drei Räder wie ganz normale Motorroller. Eine elektronische Steuerung sorgt dafür, dass Elektro- und Verbrennungsmotor den Roller parallel antreiben können. Seine Stärken kann der Elektromotor vor allem im unteren Drehzahlbereich ausspielen: Da er über viel Drehmoment verfügt, sorgt er bei rasanten Ampelstarts für zusätzliche Beschleunigung.

Doch es gibt auch einen Nachteil: Der MP3 Hybrid ist alles andere als ein Leichtgewicht: Knapp 220 Kilogramm wiegt schon die konventionell angetriebene Variante, ohne Elektromotor und Hybrid-Batterie. Für einen Roller ist das enorm. Die ersten Tester bescheinigten dem Modell deshalb zwar gutes Fahrverhalten, aber ein Rennroller dürfte es eher nicht werden.

Weitere Hybrid-Varianten mit mehr Leistung will Piaggio zügig folgen lassen. Außerdem soll die Technik auch in die MP3-LT-Modelle integriert werden, die man auch nur mit einem Autoführerschein fahren darf. Das Modell ist aber nichts führ Sparfüchse: Zwar hat Piaggio den Preis noch nicht veröffentlicht. Spekuliert wird aber über eine Summe von rund 10.000 Euro.