Frage: Herr Biolek, vor zwei Jahren haben Sie sich vom Fernsehen verabschiedet. Langeweile?

Alfred Biolek: Nein, ich habe immer noch einen vollen Terminkalender. Es ist auch ein ganz wichtiger Punkt in meinem Leben, dass keine Langeweile aufkommt – dass ich nicht rumsitze und nur noch Bücher lese, Musik höre und alleine bin, sondern dass ich viel mit anderen Menschen zu tun habe. Ich habe mein ganzes Leben im Team und in der Kommunikation gelebt – würde ich das von einem Tag auf den anderen verlieren, würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden.

Frage: Viele Menschen sagen, dass sie mit zunehmendem Alter gelassener werden.

Biolek: Durchaus, obgleich ich sagen muss, dass ich schon immer eine gewisse Gelassenheit hatte. Deswegen ist der Unterschied zwischen früher und heute bei mir nicht so groß. Es ist ja so: Wenn Menschen älter werden, werden die einen frustrierter und unzugänglicher, sie werden krank und meckern; die anderen hingegen werden gelassener.

Frage: Gibt es etwas, wovor Sie Angst haben?

Biolek: Angst habe ich überhaupt keine. Ich bedauere nur eben, dass sich die Gesellschaft so entwickelt hat, dass der Kommerz eine so starke Rolle spielt und die Verflachung immer stärker zunimmt – gerade in den Medien. Das Fernsehen ist inzwischen eine einzige Katastrophe.

Frage: Sehen Sie sich hin und wieder etwas an?

Biolek: Ich sehe nicht mehr fern und würde heute, wenn ich jung wäre, nicht mehr zum Fernsehen gehen. Das ist eine Entwicklung, die ich sehr bedauere, zumal die Verflachung ja nicht nur in den Medien stattfindet, sondern beispielsweise auch beim Essen. Ein gewisser Teil der Gesellschaft isst immer noch sehr bewusst, kocht gut und geht in den Bio-Supermarkt, aber der Großteil isst Fast Food. Ich würde schon sagen, dass sich die Verflachung und Kommerzialisierung bei den Medien und beim Essen sehr parallel entwickelt haben. Ich finde zum Beispiel diese ganzen Reality-Formate ganz furchtbar. Es gibt im Fernsehen immer noch auch gute Sachen – auf Arte, 3sat, ARD und ZDF, allerdings oftmals erst spät in der Nacht.

Frage: Sie haben immer wieder Neues ausprobiert, nie Routine aufkommen lassen. War vielleicht gerade das Ihr Erfolgsgeheimnis?

Biolek: Ich glaube schon, wobei ich das gar nicht so bewusst gemacht habe, sondern stark intuitiv. Bios Bahnhof beispielsweise war ein voller Erfolg, aber nach fünf Jahren habe ich gemerkt, dass ich mich nicht mehr steigern konnte. Ich hatte alle großen Künstler in der Sendung und sah die Gefahr, mich zu wiederholen. Dann kam Bei Bio, wobei das eine Sendung war, mit der wir nicht ganz so glücklich waren, weil wir nur eine Stunde Sendezeit hatten. Wir hätten das öfter machen müssen. Aber im damaligen Programm gab es – abgesehen von Sportberichterstattung und den Nachrichten – keine wöchentlichen oder gar täglichen Sendungen. Man hat eine Sendung höchstens sechs oder acht Mal im Jahr gemacht.

Frage: Nach Bei Bio ging es mit Mensch Meier weiter.

Biolek: Diese Spielesendung habe ich gemacht, weil ich gemerkt hatte, dass solche Formate zur damaligen Zeit im Kommen waren. In jeder Ausgabe waren vier, später dann drei Kandidaten zu Gast, die etwas Außergewöhnliches konnten oder zu erzählen hatten. In verschiedenen Spielrunden traten sie gegeneinander an. Ich mochte dieses Format sehr, habe aber auch hier nach sechs Jahren gemerkt, dass wir alle Spiele gespielt hatten. Also habe ich damit aufgehört. Kurz darauf habe ich in der Zeitung gelesen, dass die ARD eine wöchentliche Talkshow plant, und mich dafür beworben. Boulevard Bio war das Ergebnis.

Frage: 13 Jahre lang begeisterten Sie die Zuschauer mit Ihrer Kochsendung alfredissimo!. Wie erklären Sie sich den Erfolg?