Das Aus kam spät, sehr spät. Doch nun, nach Jahren heftigster Proteste, hat die Bundeswehr endlich kapituliert. Über den hohen Norden Brandenburgs, über das schöne Rheinsberg und die Müritzer Seenplatte werden keine Kampfjets der Luftwaffe donnern. Der von Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) verkündete Verzicht auf die Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide als Bombenabwurf-Übungsplatz war überfällig – und schon lange ohne Alternative.

Denn dieser Streit um das schon von der Sowjetarmee als "Bombodrom" genutzte Gelände war längst für die Bundeswehr aussichtslos geworden. Vor Gericht hatte sie alle Prozesse verloren, zuletzt vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Von den Richtern war den Militärs stets aufs Neue vorgehalten worden, dass sie bei der Planung simpelste Standards außer Acht gelassen hatten, die auch beim Bau von neuen Fabriken oder Straßen gelten.

Und vom Bundesrechnungshof musste sich die Hardthöhe vorrechnen lassen, dass das Bombodrom überflüssig ist, weil nicht einmal die anderen beiden Luftwaffen-Übungsplätze in Niedersachsen und Bayern ausgelastet seien. Trotzdem hatten bislang alle Verteidigungsminister, auch die Sozialdemokraten Rudolf Scharping und Peter Struck, am Bombodrom festgehalten – gegen eine breite Widerstandsbewegung der Bewohner der Region, die den Lärm und große Schäden für den Tourismus befürchteten, ab er auch vieler anderer im Osten. Zehntausende demonstrierten immer wieder für den Erhalt der Heide und gegen die Bundeswehr-Pläne. Auch die Landesregierung in Potsdam lehnte sie seit Langem ab.

Den Ausschlag für Jung mag jetzt gegeben haben, dass wenige Monate vor der Bundestagswahl kürzlich auch der Bundestag mit einer breiten Mehrheit von CDU bis zu den Linken einen Verzicht auf das Bombodrom gefordert hat. Das ermöglichte ihm den
gesichtswahrenden Ausstieg aus einem Projekt, das schon lange seinen Sinn verloren hatte.

Im 20. Jahr der friedlichen Revolution ist ein anderes Signal noch wichtiger: Oft wird Resignation, Politikverdrossenheit und DDR-Nostalgie im Osten beklagt. Doch ohne den beharrlichen Widerstand einer ganzen Region, ohne die kreativen Proteste der "Freien Heide", der größten Bürgerinitiative der neuen Länder, hätte die Politik nie eingelenkt. Demokratie, Bürgerwillen und das Vertrauen in den Rechtsstaat sind im Osten eben doch stärker verwurzelt als mancher glaubt.