Die Innenstadt von Kashgar

Die chinesischen Behörden argumentieren, dass in Kashgar anstelle der Altbauten für umgerechnet etwa 440 Millionen Dollar erdbebensichere Wohnungen für 50 000 uigurische Familien, also für rund 220.000 Menschen entstünden. Bewohner Kashgars bezweifeln diese Begründung. "Unsere Häuser haben 2000 Jahre lang Erdbeben widerstanden", zitiert eine Reporterin der Londoner Times, die im Juni Kashgar bereiste, einen der künftig Vertriebenen.

Asgar Cam, seit über 20 Jahren in München im Exil lebender Uigure und Vizepräsident des "Weltkongresses der Uiguren", sagte dem Tagesspiegel: "Die historischen Lehmbauten sind viel sicherer als die Betonhäuser der Chinesen. Das haben schon frühere Beben gezeigt. In Wirklichkeit geht es darum, das alte Basarviertel mit seinen engen, winkligen Gassen abzureißen. Dort ist für die Sicherheitskräfte die Überwachung schwierig. Die chinesischen Pläne sehen nun breite, gerade Straßen mit linear aufgereihten Betonbauten und überall installierten Überwachungskameras vor."

Sarkastisch heiße es in Kashgar jetzt: "Statt 2000 Jahren Geschichte kriegen wir 2000 Kameras." Kashgar, sagt Asgar Cam, "ist für uns Uiguren noch immer die eigentliche kulturelle Hauptstadt. Dort sollen jetzt die einzigartigen Zeugnisse unserer Geschichte einfach weggesprengt werden." China will für Touristen künftig nur noch eine kleine "Museumsinsel" in Kashgar erhalten. Am heutigen Freitag ab 15 Uhr wollen Menschenrechtsorganisationen und der Uigurische Weltkongress auch hier vor der Chinesischen Botschaft in Berlin-Mitte demonstrieren und dann in einem Protestzug zum Brandenburger Tor ziehen.