Ist es ein Zufall, das der Desertec-Initiator Münchner Rück ausgerechnet für heute zum Gründungstreffen geladen hat? Denn heute vor einem Jahr wurde mit großem diplomatischem Aufgebot die "Union für das Mittelmeer" aus der Taufe gehoben. 43 Staatsoberhäupter und Regierungschefs aus der Europäischen Union und den Anrainerstaaten waren der Einladung von Frankreichs Staatschef Nikolas Sarkozy nach Paris gefolgt, um der Mittelmeerzusammenarbeit neue Impulse zu geben.

Die Mittelmeerunion knüpft an den seit 1995 bestehenden Barcelona-Prozess an, der auch eine ausgeprägte sicherheitspolitische Dimension beinhaltete. Sechs Schwerpunktthemen hat sich die Union gesetzt, darunter auch einen Mediterranean solar energy plan. Doch der Gaza-Krieg im Winter beendete die weitere Entwicklung erstmal. Seit Dezember 2008 haben keine hochrangigen ministeriellen Treffen der Teilnehmerstaaten mehr stattgefunden, und wichtige Fragen der weiteren institutionellen Ausgestaltung der Union wurden auf Eis gelegt.

Ähnlich wie bereits die Ostseekooperation der 1970er Jahre sollte die Mittelmeerunion sich zum jetzigen Zeitpunkt vor allem um die klima- und umweltpolitischen sowie wirtschaftlichen Themen bemühen und sicherheitspolitische Themen ausklammern. Ist es vor diesem Hintergrund Zufall, dass die Münchner Rück ausgerechnet für den heutigen 13. Juli zu einem Gründungstreffen für die Initiative "Desertect" nach München eingeladen hat?

Energiesicherheit durch solarthermische Kraftwerke?

Die Projektidee von Desertec ist nicht neu, aber trotzdem faszinierend: Solarthermische Kraftwerke in Nordafrika tragen zur sauberen Energieversorgung Europas bei. Investitionen von 400 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050 wären notwendig, um 15 Prozent des europäischen Strombedarfs zu decken. Kommt also das privatwirtschaftliche Desertec-Konsortium dem europäischen Mediterranean solar energy plan zuvor oder ersetzt diesen gar?

Zunächst einmal die positive Nachricht, die Techniken für die solarthermische Stromerzeugung, Concentrated Solar Power (CSP) genannt, sowie den Hochspannungstransport per Gleichstromnetze stehen schon heute zur Verfügung. Die ersten Parabolrinnen-Kraftwerke sind seit Mitte der 1980er im kalifornischen Kramer Junction am Netz. Weiterentwickelte CSP-Kraftwerke werden seit einigen Jahren in den USA und Spanien gebaut. Im ägyptischen Kuraymat entsteht derzeit ein kombiniertes CSP-, Gas- und Dampfkraftwerk. In weiteren Ländern haben die Planungen für Parabolrinnen-Kraftwerke bereits begonnen. Eine weitere gute Nachricht – zumindest aus deutscher Sicht – ist, dass hiesige Unternehmen CSP-Technologieführer sind. Die Parabolspiegel kommen von Flabeg, die Receiver von Schott Solar, die Turbinen, Generatoren und die Leittechnik von Siemens und als Generalunternehmer sind Solar Millennium und MAN Ferrostaal tätig.

Bliebe also nur noch die Aufgabe, die Finanzierung der Desertec-Initiative zu sichern und politisch in die Mittelmeerunion einzubinden? Doch so einfach ist es nicht, die Mittelmeeranrainer-Staaten als potenzielle Kraftwerksstandorte zu gewinnen. In vielen Ländern herrschen – in unterschiedlicher Ausprägung – autoritäre Regime und es besteht die Gefahr terroristischer Anschläge. Das Bevölkerungswachstum sowie die Arbeitslosenzahlen sind sehr hoch. Verstärkt werden die sozialen Probleme durch den Migrationsdruck aus Afrika südlich der Sahara. Ein insgesamt explosives Gemisch mit Auswirkungen auch auf unsere Sicherheit.

Die meisten nicht-EU-Mittelmeeranrainer haben einen hohen Entwicklungsbedarf. Eine Voraussetzung für Entwicklung ist Energie. Doch decken derzeit vor allem konventionelle Kraftwerke die Energieversorgung ab. In Zeiten eines beschleunigenden Klimawandels, von dem vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer betroffen sind, müssen auch diese ihre Energieversorgung frühzeitig auf einen nicht-konventionellen, also erneuerbaren Energiepfad lenken. Große solarthermische Kraftwerke können eine Lösung des Problems sein. Derzeit liegen die Stromentstehungskosten zwar mit 15 bis 23 Cent pro Kilowattstunde noch über den meisten konventionellen Kraftwerken.