Nach Angaben der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) wird etwa ein Drittel des auf 1,3 Milliarden Euro geschätzten Gesamtauftrags über zehn Jahre an den DB-Konkurrenten fallen. Der übrige Teil werde an die Deutsche Bahn gehen, sagte ein Odeg-Sprecher. Darüber sei man schriftlich informiert worden. Binnen zwei Wochen kann dagegen allerdings Einspruch erhoben werden. Die DB hatte die Bedingungen in dem Verfahren bereits kritisiert und wiederholt mit einer Klage gedroht. Ein Bahn-Sprecher wollte sich weder zur Entscheidung noch zu einer möglichen Klage äußern.

Der Regionalverkehr ist seit Jahren die profitabelste Sparte der Bahn, in der sie bundesweit noch über 80 Prozent Marktanteil hält. Allerdings schreiben die Bundesländer in zunehmendem Maße die Strecken im Wettbewerb aus. Im vergangenen Jahr konnte das Staatsunternehmen nur rund ein Drittel der Aufträge gewinnen. Langfristig will die DB aber mindestens 70 Prozent des Regionalverkehrs weiter betreiben. Die Ausschreibung in Berlin-Brandenburg war die erste große von einer Reihe in den nächsten Jahren.

Die Deutsche Bahn steht in der Region Berlin-Brandenburg seit langem in der Kritik: Im Jahr 2002 waren große Teile des Nahverkehrs an die DB für zehn Jahre ohne Ausschreibung vergeben worden. Kurze Zeit später trat der verantwortliche Verkehrsminister Hartmut Meyer aus Brandenburg in die Dienste der Bahn. Das Vorgehen rief unter anderem die EU-Kommission auf den Plan. Zudem steht das Unternehmen in Berlin in der Kritik, da die S-Bahn als DB-Tochter Wartungsintervalle bei den Zügen nicht eingehalten hatte und daraufhin ein Teil der Flotte stillgelegt wurde. Die Folge sind Verkehrsbehinderungen, die sich noch Monate hinziehen werden.

Odeg-Sprecher Jörg Kiehn äußerte sich zufrieden mit dem in Aussicht gestellten Erhalt von jährlich sieben Millionen der insgesamt ausgeschriebenen 22 Millionen Zug-Kilometer. Die Odeg soll unter anderem die Verbindung von Wismar nach Berlin und von Stendal über Berlin nach Cottbus übernehmen. Berlin und Brandenburg hatte die insgesamt 16 Strecken in vier sogenannte Lose aufgeteilt. Die beiden größten sollten nicht in eine Hand fallen. Dagegen hatte die DB, die derzeit beide Streckenpakete bedient, eine Klage angedroht

Die Ausschreibung hatte auch unter der Finanzkrise gelitten: Die zum Teil privaten Konkurrenten der DB hatten Schwierigkeiten, die Finanzierung für die nötigen Investitionen in Fahrzeuge und Material zu stemmen. Die DB als Staatskonzern kann sich leichter Geld etwa über Anleihen beschaffen. So bewarben sich am Ende nur die Odeg und die DB um die Strecken.

Die Odeg gehört zur Hälfte der Benex GmbH, hinter der vor allem die Hamburger Hochbahn steht. Zum anderen ist sie im Besitz der Prignitzer Eisenbahn, die wiederum eine Tochter des britischen Transportunternehmens Arriva ist.