Anfang Dezember wird es eng in Kopenhagen. Mehr als 10.000 Delegierte reisen dann in die dänische Hauptstadt, um das Klima zu retten. Sie wollen einen weltweiten Pakt schmieden, mit dem der Ausstoß schädlicher CO2-Gase dauerhaft gesenkt werden soll.

Zunächst aber wird jeder Unterhändler mit seiner Teilnahme das Gegenteil bewirken.  Denn viele der Delegierten reisen per Flugzeug an und übernachten im Hotel. In kaum einem anderen Wirtschaftszweig wächst der Ausstoß des Klimagases CO2 schneller als im Hotelgewerbe und im Luftverkehr. Bis zum Jahr 2035 werde die Branche deutlich mehr Emissionen produzieren als durch bisher geplante Maßnahmen eingespart würden, sagt Jürgen Ringbeck, Partner bei Booz & Company.

Die Unternehmensberatung hat gemeinsam mit dem World Economic Forum eine Klimastudie erstellt, die erstmals die gesamte Tourismusindustrie berücksichtigt. Demnach wächst der CO2-Ausstoß der Branche allen Initiativen und Projekten zum Trotz "signifikant".

Schuld daran ist vor allem die zunehmende Mobilität. Die Zahl der weltweiten Flugpassagiere hat aufs Jahr gerechnet längst die Marke von vier Milliarden durchbrochen. Die Rezession verschafft dem Himmel zwar eine kleine Kondensstreifenpause, niemand zweifelt jedoch an den langfristigen Wachstumsraten. Im kommenden Vierteljahrhundert werde die Branche um rund vier Prozent pro Jahr wachsen, schätzt Booz & Company. Nicht nur in Europa, sondern vor allem in den touristischen Wachstumsmärkten Afrika und Asien.

Die Emissionen des Luftverkehrs könnten sich dadurch in den kommenden 30 Jahren mehr als verdoppeln – auf 1,4 Milliarden Tonnen CO2 jährlich. Das ist mehr als alle deutschen Fabriken, Häuser und Autos pro Jahr ausstoßen. Noch deutlicher ist der Zuwachs bei Hotels und anderen Unterkünften. Hier prognostizieren die Berater sogar einen Zuwachs von 284 auf 728 Millionen Tonnen CO2 im Jahr.

Die Branche hat hierauf bereits mit Innovationen reagiert. Mit jeder Flugzeuggeneration sparen die Fluggesellschaften pro Passagier und geflogenem Kilometer rund 20 Prozent Treibstoff im Vergleich zu älteren Modellen ein. Hoteliers versuchen mit effizienteren Klimaanlagen und Isolierungen Energiekosten zu sparen – und schonen indirekt das Klima. Beim Reiseveranstalter Tui sammelt bereits jeder zweite Robinson Club mit Solarkollektoren Sonnenergie. In der Türkei ließ das Unternehmen auf einer Fläche von 300.000 Quadratmetern Kiefersetzlinge pflanzen. Und im Salzburger Land bringt Energie aus einem CO2-neutralen Biomassenheizwerk Saunabesucher zum Schwitzen.

Weil das noch immer nicht für eine ausgeglichene Klimabilanz reicht, bietet TUI seinen Kunden die CO2-Kompensation ihrer Ferienreise an. Touristen können etwa von Unternehmen wie My climate oder atmosfair berechnen lassen, wie viel CO2 durch ihren Flug und Urlaub entsteht. Bei einem Hin- und Rückflug von Hamburg nach Auckland bläst ein Airbus- oder Boeingflieger nach Angaben von atmosfair mehr als 13.000 Kilogramm CO2 pro Passagier in die Luft. Das ist viermal mehr als das Klima – pro Mensch und Jahr - vertragen kann. 312 Euro müsste atmosfair in Klimaschutzprojekte investieren, um das zu kompensieren. Ein Flug nach Mallorca fällt mit 860 Kilogramm CO2 pro Passagier ins Gewicht.