"Willkommen im Luftkurort Nürburg" steht am Ortseingangsschild. Das mag verwundern, schließlich knattern hier in der Hocheifel seit 1927 fast ununterbrochen die Motoren, und auch an diesem Wochenende werden die Abgase der Formel-1-Renner beim Großen Preis von Deutschland wieder die Luft verpesten. Ganz so rein ist diese um die Nürburg herum aber selbst ohne stinkende Motoren derzeit nicht.

Während der Eröffnung des "ganzjährigen Freizeit- und Businesszentrums" wollte jedenfalls am Donnerstag keine ausgelassene Stimmung aufkommen. Für mehr als 250 Millionen Euro ist entlang der Start-Ziel-Geraden eine glitzernde Erlebniswelt mit Mehrzweckarena, Kasino, Achterbahn und Kongresszentrum errichtet worden, mit der sich die Traditionsstrecke unabhängiger vom Motorsport im Allgemeinen und der teuren Formel 1 im Speziellen machen will. Doch das neue Ringmotto "Volles Programm" trifft auch auf Geldangelegenheiten zu: Weil ein zwielichtiger Finanzinvestor aus der Schweiz absprang, muss der Nürburgring – und damit zu 90 Prozent das Land Rheinland-Pfalz – nun selbst bei der Finanzierung einspringen. Mit mindestens 170 Millionen Euro.

Allerdings ist Bernie Ecclestone der Eröffnungszeremonie nicht aus diesem Grund ferngeblieben. Die Veranstalter luden ihn aus, weil dem Formel-1-Imperator in seiner Begeisterung für andere Diktatoren offenbar entgangen war, dass man auch in Deutschland seit ein paar Jahren mit Hitlerlobpreisungen nicht mehr punkten kann. Den hatte er für seine Führungsqualitäten und seine Fähigkeit, "Dinge erledigen zu können", gelobt und dafür Entrüstung aller Art aus aller Welt geerntet. Zwar zieh Ecclestone sich umgehend selbst einen "Dummkopf" und "Idioten" und beteuerte: "Das Letzte, was ich wollte, war jemanden zu verärgern."

Dennoch sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger ein Treffen mit dem Briten ab, wo die Modalitäten für weitere Rennen auf dem Hockenheimring erörtert werden sollten. Bislang wechselt der sich bei der Austragung des deutschen Grand Prix mit dem Nürburgring ab, doch die Stadt Hockenheim und das Land Baden-Württemberg haben keine Lust mehr, die mehr als fünf Millionen Euro Verlust zu tragen, die sich durch Ecclestones Knebelvertrag pro Rennen anhäufen.

Weil auch der Nürburgring nicht einspringen will, könnte nächstes Jahr erstmals seit 1960 kein Rennen in Deutschland stattfinden. Statt Oettinger soll nun ein Unterhändler mit Ecclestone sprechen.

Zum Rennen kommt der Formel-1-Boss natürlich trotzdem, und Forderungen nach seinem Rücktritt lässt der 78 Jahre alte Milliardär an sich abprallen. Und auch sein Freund Max Mosley denkt offenbar noch einmal genauer darüber nach, ob er im Oktober als Präsident des Automobil-Weltverbands Fia wirklich Schluss machen will. Dies hatte er erst Ende Juni angekündigt, um im Streit mit der Teamvereinigung Fota um Regelreformen und Budgetgrenzen für die kommende Saison eine Spaltung der Formel 1 zu verhindern. Jetzt stellt sich die Frage: War das nur eine Finte?

Sofort nach der Einschreibung aller Teams für die Saison 2010 flammte der Konflikt jedenfalls wieder auf. Mosley ließ verlauten, es sei ein Fehler, auf seinem Grab zu tanzen, er könne sich das noch einmal überlegen.