Am zweiten Tag des G-8-Gipfels im italienischen L'Aquila treffen die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen und Russlands ihre Kollegen aus fünf aufstrebenden Nationen. Zur sogenannten G-5-Gruppe gehören China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika. Diese erweiterte Gipfelrunde könnte in Zukunft eine größere Rolle dabei spielen, die globalen Probleme und Krisen in den Griff zu bekommen.

Es wird mit Spannung erwartet, wie die G 5 sowie andere wichtige Industrienationen wie Südkorea, Indonesien und Australien auf die Klimaziele der G 8 reagieren werden. Erstmals haben sich die USA – der nach China weltgrößte Klimasünder – unter ihrem neuen Präsidenten Barack Obama auf Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung festlegen lassen. Das dürfte die Einigung mit China erleichtern.

Die großen Industrieländer waren beim Klimaschutz vorangekommen, aber mit den sogenannten Schwellenländern, darunter Indien, China und Brasilien, noch nicht auf einer Linie. Die Erderwärmung wollen sie auf maximal zwei Grad begrenzen, verglichen mit dem vorindustriellen Zeitalter. Erstmals verpflichten sich alle acht, also auch die USA, den Schadstoffausstoß bis 2050 weltweit um die Hälfte und bezogen auf die Industrieländer um 80 Prozent oder mehr zu senken. Als gemeinsame Position der G 8 mit den Schwellenländern zeichnet sich aber nur die gemeinsame Anerkennung des Zwei-Grad-Zieles ab.

Russland stellte den erreichten Konsens sogleich infrage: Die Verringerung um 80 Prozent sei für einige Länder "unerreichbar", sagte Arkadi Dworkowitsch, Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew und Gipfel-Delegierter. "Wir werden dafür nicht unser Wirtschaftswachstum opfern."

Um bei den Verhandlungen über ein neues Weltklimaabkommen im Dezember in Kopenhagen zu einem Erfolg zu kommen, brauchen die G 8 alle aufstrebenden Nationen. Diese Schwellenländer beharren darauf, dass ihnen die Industriestaaten mit Milliarden beim Klimaschutz helfen. Sie fürchten, beim Wirtschaftswachstum abgehängt zu werden, wenn sie dem Klimaschutz zu hohe Priorität einräumen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte deshalb schon 2007 ein Modell für die Begrenzung des Schadstoffausstoßes der Schwellenländer wie China und Indien ins Gespräch gebracht. Um sie zur Zustimmung zu einem Nachfolgevertrag zum Kyoto-Protokoll zu bewegen, schlug sie vor, dass langfristig jeder Mensch die gleiche Menge Kohlendioxid produzieren darf. Nach den Vorstellungen der Kanzlerin soll damit zugleich festgehalten werden, dass der Kohlendioxidausstoß pro Kopf in den Schwellenländern niemals höher sein soll als in den klassischen Industrienationen.