HapagLloyd hat sich Expertenkreisen zufolge mit der Bitte um 1,75 Milliarden Euro an seine Eigentümer, das Hamburger Investorenkonsortium Albert Ballin und den Ex-Mutterkonzern TUI, gewandt. "Die Höhe hat mich überrascht", sagte Analyst Jochen Rothenbacher von Equinet stellvertretend für viele Experten.

Die Reederei hat im ersten Quartal einen Verlust von 222 Millionen Euro geschrieben. Seitdem hat sich die Marktlage nicht durchgreifend verbessert. Vergangene Woche hatte Hapag erklärt, alle Optionen zur Zukunftssicherung zu prüfen.

Die Gesellschafter sollen nach Informationen ihres Umfelds zusammen 750 Millionen Euro an neuem Kapital zur Verfügung stellen. Die Hapag-Eigentümer haben Unterstützung signalisiert. Wie sie aussieht, darüber soll Kreisen zufolge noch im Juli eine Entscheidung fallen.

Die Chancen stehen gut, dass das Unternehmen gerettet wird. "Das Unternehmen war vor der Krise profitabel", sagte BHF-Bank-Analyst Nils Machemehl. Ein anderer Branchenexperte argumentierte HapagLloyd noch vor der Wahl zu retten. Das wäre für die Bundesregierung eine Erfolgsmeldung. Noch dazu weise Finanzminister Peer Steinbrück immer wieder auf die Gefahr einer Kreditklemme hin und könne hier tatsächlich etwas tun, um sie abzuwenden.

Eine Milliarde Euro soll von den Banken kommen und der Bund dafür eine Bürgschaft übernehmen. Erste Kontakte zwischen HapagLloyd und der Bundesregierung hat es laut Expertenkreise in der Angelegenheit schon gegeben. Ein offizieller Antrag liegt aber noch nicht vor. Der Bund könnte Hapag im Rahmen seines 100-Milliarden-Euro-Programms helfen, das für Firmen vorgesehen ist, welche die Finanzkrise in Schwierigkeiten gebracht hat.

"Man delegiert das Problem nicht einfach nach Berlin", sagt ein Vertreter aus dem Eignerkreis. "Aber wenn über den Beitrag der Gesellschafter hinaus noch Hilfe nötig ist, wird man nach Berlin gehen." Ob die Hilfe tatsächlich in der geforderten Höhe fließen wird - Ballin soll 425 Millionen Euro bereitstellen, TUI 325 Millionen - ist noch unklar. "Das Konsortium Ballin scheint nicht an einem Strang zu ziehen", sagte Rothenbacher.

Im TUI-Umfeld hieß es: "Es kommt auf die Bereitschaft aller Beteiligten an. Wir alleine werden das nicht tragen." TUI hat zwar seit dem Verkauf von 57 Prozent der Hapag-Anteile an Ballin im Frühjahr Geld in der Kasse. Doch hat TUI Hapag schon Kredite von 1,4 Milliarden Euro eingeräumt und will eigentlich aus dem Schifffahrtsgeschäft aussteigen. 57 Prozent an HapagLloyd gehören dem Konsortium um die Stadt Hamburg, die HSH Nordbank, den Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne und zwei Versicherer. 43 Prozent der Anteile hält TUI.