Am 16. Juli 1969 herrscht in Florida Volksfeststimmung. Mehr als eine Million Menschen sind zum Cape Kennedy gekommen, um Geschichte mitzuerleben. Drei amerikanische Astronauten, Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins, reisen zum Mond. Erstmals sollen Menschen den Erdtrabanten betreten.

Weltweit verfolgen mehr als 600 Millionen Zuschauer, wie die Triebwerke zünden und Flammen aus dem Heck der zehn Meter dicken Mondrakete schießen. Ein paar Sekunden Stillstand, infernalischer Lärm und der 36 Stockwerke hohe Gigant beginnt nach oben zu steigen. Apollo 11 ist planmäßig um 9.32 Uhr Ortszeit gestartet.

Vier Tage später öffnet Neil Armstrong die Ausstiegsluke der knapp sechseinhalb Meter hohen Landefähre. Langsam klettert er die Leiter hinunter, um auf der letzten Stufe innezuhalten. Kurz bevor der 38-jährige Testpilot aus Ohio seinen Fuß in den Mondstaub setzt, sagt er: "Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit."

"Ich habe die ganze Nacht vor dem Fernseher gesessen", erzählt Johann-Dietrich Wörner, Chef der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Wie der damals 15-jährige Gymnasiast schlagen sich Millionen Zuschauer in Deutschland die Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1969 um die Ohren. Sie fiebern mit den Astronauten, als sich die Landefähre von der Weltraumkapsel löst und Michael Collins einsam zurückbleibt.

Kurz vor vier Uhr morgens hören sie Armstrongs berühmten Satz und sehen flackernde Schwarzweißbilder zweier Gestalten in glänzenden Raumanzügen, die im Mondstaub herumstapfen und wie Kängurus hüpfen. Von der Szene, als die Stange mit der Stars-and-Stripes-Flagge in den Mondboden gerammt wird, gibt es später sogar Farbfotos.

Das kosmische Wettrennen der Supermächte ist in diesem Moment entschieden. Doch eigentlich geht es um die Vorherrschaft auf der Erde. Wissenschaft und Technologie sind die Werkzeuge, um den Kalten Krieg zu gewinnen. So ist die Ankündigung von US-Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 kühn, bis Ende der Dekade einen Menschen 380.000 Kilometer weit zum Mond zu befördern und sicher zurückzubringen. Denn die Sowjetunion liegt im Weltraum vorn. Sie hat 1957 mit dem Sputnik den ersten Satelliten und mit Jurij Gagarin – nur eineinhalb Monate vor Kennedys Rede – den ersten Menschen ins All geschossen. Sowjetische Sonden erreichen als erste den Mond, umkreisen ihn und landen.

Doch das von Kennedy initiierte Apollo-Programm wird zur Erfolgsstory. Der gewaltigen Saturn-V-Rakete hat die Sowjetunion nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Eher als Nebenprodukt lassen sich mit immer stärkeren Raketen auch Satelliten und Menschen ins All befördern. Kurz vor Weihnachten 1968 kreist mit Apollo 8 erstmals eine bemannte Sonde um den Mond. Im Grunde geht es den USA und der Sowjetunion darum, ihre Macht zu demonstrieren. Denn mit Raketen lassen sich auch Nuklearwaffen um die Erde schicken.