Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete heute vorab, VW biete statt drei bis vier Milliarden Euro nun deutlich über vier Milliarden für 49,9 Prozent am Sportwagenbauer Porsche AG. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gilt allerdings als strikter Gegner eines Teilverkaufs des Autogeschäftes an VW und befürwortet eindeutig den Einstieg des Golfstaates Katar. Vor wenigen Tagen hatte ein entsprechendes "Rettungsangebot" aus Wolfsburg noch zu heftigen Attacken aus Stuttgart geführt. Porsche hatte das Angebot als nicht umsetzbar abgelehnt.

Die endgültige Entscheidung im monatelangen Machtkampf zwischen Porsche und VW wird wohl auf der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des Sportwagenbauers am 23. Juli fallen. Ein Porsche- Sprecher wollte sich am Freitag zwar nicht zu Inhalten der Sitzung äußern, beraten werden soll nach Aufsichtsratskreisen aber sowohl über den Einstieg des Golfstaates Qatar bei dem Sportwagenbauer als auch den Verkauf von knapp der Hälfte der Porsche AG an Volkswagen.

Das ölreiche Golfemirat Qatar hatte bereits vor mehreren Tagen ein Angebot bei den Stuttgartern abgegeben. Porsche äußert sich zwar nicht offiziell zu dem Einstiegsangebot, es soll jedoch bei bis zu 29 Prozent der Anteile liegen. Der Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) soll zudem an einem Teil oder dem gesamten Optionsgeschäft mit VW-Aktien Interesse geäußert haben. Das Volumen des Gesamtgeschäfts soll bei sieben Milliarden Euro liegen, verlautete aus Bankenkreisen.

Porsche hat sich bei der versuchten Übernahme von VW verspekuliert und hat nun Schulden von neun Milliarden Euro. Nach der Absage der staatlichen Förderbank KfW über einen Kredit von 1,75 Milliarden Euro ist der Sportwagenbauer auf der Suche nach neuen Geldquellen. Die Stuttgarter haben mit mehreren Banken bislang Kredit-Zusagen für insgesamt 10,75 Milliarden Euro. Porsche besitzt knapp 51 Prozent der Anteile an Europas größtem Autobauer VW und hält zusätzlich mit Hilfe der Banken Aktienoptionen über bis zu 24 Prozent. Zweiter VW- Großaktionär ist das Land Niedersachsen mit knapp mehr als 20 Prozent der Anteile.

Laut Stuttgarter Zeitung planen die Porsche-Gesellschafter der beiden Familienstämme Porsche und Piech noch vor der Aufsichtsratssitzung ein Treffen, auf dem sie ihre Differenzen beilegen wollen. Die Erben haben sich verpflichtet, wichtige Unternehmensentscheidungen einstimmig zu treffen.