Julien Fournié wirkt erstaunlich gelassen. Einen Tag vor seiner ersten hauseigenen Haute-Couture-Schau bringt ihn nichts aus der Ruhe. Souverän und freundlich führt er ein Fernsehteam durch sein Atelier. Er weiß, worauf es ankommt. Schließlich hat er schon mit 28 Jahren beim Haute-Couture-Label Torrente gearbeitet, zuletzt als Kreativdirektor. Zuvor war er Designer bei Claude Montana und Jean Paul Gaultier. Heute, mit 34, ist er nicht mehr "der Designer von", sondern einfach Julien Fournié. 

Ein Couture-Label zu gründen ist äußerst riskant in Zeiten, in denen sogar ganz Große der Branche wie Christian Lacroix Insolvenz anmelden müssen. Lacroix' Winterkollektion 2009/2010 auf den Haute-Couture-Schauen in Paris könnte vielleicht seine letzte gewesen sein. Zumindest die letzte unter seinem Namen.

Seit die Luxusdesigner in den sechziger Jahren mit ihren Prêt-à-porter-Linien auch "Mode von der Stange" produzieren, wird das Konzept der Haute Couture, des maßgeschneiderten Einzelstücks, von vielen als hinfällig betrachtet. Fournié hingegen hält die hohe Schneiderkunst für weniger riskant und vor allem leichter zu finanzieren. Sicher, ein Haute-Couture-Kleid sei teuer, sehr teuer sogar. "Aber eine Prêt-à-porter-Kollektion erfordert sehr viel Kapital für Produktion und Vertrieb." Außerdem müsse man, um damit erfolgreich zu sein, bereits einen großen Namen haben, sagt Fournié. Für ihn sei daher eine Haute-Couture-Linie viel einfacher umzusetzen.

"Es gibt immer ein Risiko", antwortet Fournié auf die Frage, ob ihm eine Insolvenz wie die von Christian Lacroix keine Angst machten. Außerdem unterscheide sich sein Konzept deutlich von dem Lacroix'. "Die Mode von Christian Lacroix ist außergewöhnlich, sie lässt sich ausstellen oder kaufen wie ein Kunstwerk. Meine Mode ist da, um getragen zu werden."

Wilde Kreationen und Schockeffekte interessieren Fournié nicht. Seine Mode soll nicht den Designer, sondern die Frau in den Vordergrund stellen. Er orientiert sich dabei an Coco Chanel, die einmal sagte: "Wenn ein Kleid zu auffällig ist, sieht man nur das Kleid. Wenn das Kleid perfekt ist, sieht man nur die Frau."

"Épuré", auf das Wesentliche reduziert, nennt Fournié seinen Stil. Seine Kreationen sind dezent, vorwiegend in Schwarz und Hautfarben gehalten. Die schmalen Linien und feinen Materialien unterstreichen dabei aber gleichzeitig die weibliche Silhouette.

"Wir stehen im Dienst der Kundin", sagt Fournié. "Frauen möchten sich in ihren Kleidern gut fühlen." Mit dieser kundenfreundlichen Idee von Haute Couture steht er nicht alleine da. Die neue Designer-Generation setzt auf Tragbarkeit. Stéphane Rolland, seit Anfang Januar vollwertiges Mitglied der Haute Couture, zeigte bereits in der letzten Saison eine gewisse Zurückhaltung in Schnitten und Farben. In diesem Jahr begrenzte er sich auf Schwarz, Grau, Sand und Weiß.