Die Demonstranten warfen Eier auf den Haupteingang der Botschaft und riefen: "Den Tod für Deutschland" und "Den Tod für Europa". Außerdem malten sie zwei Hakenkreuze auf den Asphalt und schrieben: "Immer noch Nazi - Angela schäme Dich." Dann gingen die Demonstranten auf die andere Straßenseite zum Mittagsgebet. Zu der Aktion hatten regierungsnahe Studentengemeinden aufgerufen. Die Botschaft ist samstags geschlossen.

Die 31-jährige schwangere Ägypterin Marwa El-Sherbini war während eines Prozesses von dem Angeklagten mit 18 Messerstichen getötet worden. Sie war Zeugin in einem Berufungsverfahren. Der Täter war zuvor wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft die in Dresden lebende Ägypterin als "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe" beschimpft, als sie ihn auf einem Spielplatz gebeten hatte, die Schaukel für ihren Sohn frei zu machen.

Gegen den Täter, einen aus Russland stammenden Deutschen (28), wurde wegen Mordes Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft will vor der Anklageerhebung keine Details der Tat bekanntgeben. "Alles, was unmittelbar mit der Tat zusammenhängt, kann frühestens mit Erhebung der Anklage mitgeteilt werden", sagte Sprecher Christian Avenarius. Er reagierte damit auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins Focus, nach dem der Täter die Tat geplant hatte.

Der Tod der Frau hatte im Iran wie auch in anderen muslimischen Ländern zu scharfen Protesten geführt, bei denen Deutschland Diskriminierung von Muslimen vorgeworfen wurde. In iranischen Medien wurde die Frau als Märtyrerin gefeiert.

Die Regierung in Teheran legte bei der Bundesregierung Protest gegen "diese unmenschliche Tat" ein. Am Freitag wurde der deutsche Botschafter in Teheran einbestellt, um den Protest der iranischen Führung entgegenzunehmen. Auch der italienische Botschafter wurde ins Außenministerium einbestellt, weil die G8- Staaten zu der Bluttat geschwiegen hätten.

Der in der arabischen Welt populäre ägyptische Autor Alaa Al-Alwani warf dem Westen in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung. Doppelmoral vor. Während etwa die bei den jüngsten Demonstrationen in Teheran getötete Neda, deren Bild um die Welt ging, stark betrauert werde, finde der Tod von Marwa S. kaum Beachtung. Muslim-Verbände in Deutschland haben der Bundesregierung vorgeworfen, nicht genug gegen Islam-Feindlichkeit zu tun.