Der Auftritt war einwandfrei: Dunkelgrauer Zweireiher, goldene Manschettenknöpfe, strahlend weißes Einstecktuch, getönte Brille mit feinem Goldrand. So trat Liberias Ex-Präsident am Dienstag in den Zeugenstand in Den Haag. Angeklagt ist er dort vor dem UN-Sondergericht für Sierra Leone wegen schwerster Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Seit zwei Jahren läuft der Prozess.

Taylor werden Mord, Folter, Vergewaltigung, die Rekrutierung und der Einsatz von Kindersoldaten und die Terrorisierung der Zivilbevölkerung vorgeworfen. Er soll seine Position als Staatschef Liberias missbraucht haben, um im Nachbarland Sierra Leone die extrem brutale Rebellentruppe "Revolutionäre Vereinigte Front" (RUF) auszurüsten und unter seine Kontrolle zu bringen.

Bei seinem Auftritt im Zeugenstand wies Taylor die Anschuldigungen zurück: "Ich bin nicht schuldig. Die Anklagepunkte basieren auf Betrug, Lügen und Desinformation." Und sein Hauptverteidiger Courtenay Griffiths beklagte, dass sein Mandat von der öffentlichen Meinung vorverurteilt werde: "Die Vorurteile gegen Mister Taylor haben sich ganz tief eingegraben. Sie stützen sich auf Lügen und nicht belegte Gerüchte."

Was Taylor und Griffiths Lügen nennen, ist nach Ansicht des Chefanklägers Stephen Rapp gut dokumentiert. Er ist sich sicher, dass seine Beweise und die 91 Zeugen, die über das vergangene Jahr ausgesagt haben, die Verantwortung und die Schuld des Ex-Präsidenten belegen, der sich 1989 in Liberia an die Macht putschte, 1997 dort die Präsidentschaftswahl gewann und sich seit 1996 in den Bürgerkrieg in Sierra Leone, einem der blutigsten und brutalsten Afrikas, eingemischt haben soll.

Zwischen 50.000 und 250.000 Menschen verloren ihr Leben während des 11 Jahre andauernden Konfliktes, in dem RUF-Rebellen und Gruppen wie die AFRC gegen die Regierung kämpften. RUF-Führer Foday Sankoh und Sam Bockarie machten es zum Markenzeichen dieses Krieges, Menschen Hände und Füße abzuhacken. Frauen wurden geschändet, Kinder mit Drogen zu Kampfmaschinen gedrillt.

Auf die Einstiegsfrage seines Verteidigers, ob er "ein Terrorist und Vergewaltiger" sei, antwortete der 61-jährige Taylor gestern: "Es ist unglaublich, dass ich so beschrieben werde. Ich bin nichts dergleichen, und werde auch nie so etwas sein. Ich habe 14 Kinder, Enkelkinder. Ich liebe die Menschheit."