Rund 17.000 frühere Beschäftigte des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sollen trotz Prüfungen im öffentlichen Dienst ostdeutscher Landesverwaltungen verblieben sein, berichtete die Financial Times Deutschland.

Davon arbeiteten 2247 in Mecklenburg- Vorpommern, 2942 in Brandenburg, 800 in Thüringen, 4400 in Sachsen-Anhalt, 2733 in Berlin und 4101 in Sachsen. Die Forderung nach Konsequenzen wird angesichts des Berichts drängender - so verlangen Forscher und Stasi-Beauftragte eine erneute Überprüfung der Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Das Bundeskriminalamt hatte bereits bestätigt, dass nach der Wiedervereinigung einige ehemalige Stasi-Leute in der Polizeibehörde unterkamen – 23 arbeiten dort heute noch. "Jeder Einzelfall ist genauestens geprüft worden", betonte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Die Debatte über eine bisher unbekannt hohe Zahl von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern war vergangene Woche entbrannt, als bekannt geworden war, dass im Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg rund 100 ehemalige Offiziere der früheren DDR-Staatssicherheit arbeiten sollen. Das Innenministerium in Potsdam bestätigte nur 58 Fälle.

Auch für den Schutz des Wochenendgrundstücks von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Schutzbereich Uckermark sollen jahrelang zwei ehemalige Stasi-Offiziere verantwortlich gewesen sein. 20 Jahre nach dem Mauerfall sind nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa noch Hunderte frühere Stasi-Mitarbeiter im Polizeidienst der ostdeutschen Länder.

2007 hatte ein Gutachten ergeben, dass selbst in der Stasiunterlagen-Behörde seit Oktober 1990 insgesamt 79 ehemalige Angehörige der DDR-Staatssicherheit arbeiteten. Vor zwei Jahren waren es noch 56 ehemalige MfS-Bedienstete. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, dass nur 18 MfSler im Archiv befristet beschäftigt sein sollten, weil man ihre Sachkenntnis für die Aktenaufarbeitung nutzen wollte.

Klaus Schroeder, Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin, forderte nun eine klare Offenlegung durch die Bundesländer. Er gehe von mehreren Zehntausend ehemaligen Inoffiziellen Mitarbeitern der Stasi, also Spitzeln, in Ministerien und Behörden aus. "Das sind Dimensionen, die bisher keiner geahnt hat", sagte Schroeder. "Die Überprüfungen waren sehr standardisiert und oberflächlich", kritisierte er. So seien Zollbeamte oder Personenschützer zu großzügig behandelt worden, da sie politisch als eher unbedenklich gegolten hätten.