Suzanne Vega? Lange nichts mehr gehört, dabei war sie mal die Beste einer ganzen Welle von Singer-Songwriterinnen. Just zu ihrem 50. Geburtstag am 11. Juli tritt sie in Großbritannien im Vorprogramm des Leonard-Cohen-Konzerts auf.

I am sitting in the morning / at the diner on the corner / I am waiting at the counter / for the man to pour the coffee // And he fills it only halfway / and before I even argue / he is looking out the window / at sombody coming in.

Der mit dem Kaffee so sparsame Wirt heißt Minasizoulis. Seiner Familie gehört seit den fünfziger Jahren Tom’s Restaurant – Suzanne Vega nennt es Tom’s Diner – in Manhattan, 2880 Broadway Ecke 112th Street. Suzanne Vega hat hier Literatur studiert, im Viertel Morningside Heights, am Barnard-College der Columbia University, einem von sieben Frauen-Colleges, den "Seven Sisters". Vega hat damals einen High-School-Abschluss in Modernem Tanz hinter und eine Karriere in der Singer-Songwriter-Schwesternschaft der Achtziger vor sich, zwischen Tanita Tikaram, Tracy Chapman und Michelle Schocked.

In Tom's Restaurant sind die Studenten und Lehrenden der Columbia University Stammgäste. Später wird es prominent: Wenn in der Sitcom-Serie Seinfeld Monk's Café von außen zu sehen ist, handelt es sich um Tom's Restaurant; die Innen-Szenen sind im Studio gedreht.

Noch während des Studiums spielt Suzanne Vega regelmäßig in den kleinen Clubs des Greenwich Village, gehört zur Gruppe um den Musiker Jack Hardy. 1984 bekommt sie einen Plattenvertrag. Suzanne Vega – so heißt auch ihr Debüt-Album – singt Songs, wie sie die junge Frau am Diner-Tresen schreiben würde: ruhig, introspektiv, lyrisch.

Der Nachfolger Solitude Standing (1987) ist ein wenig rockiger, aber die melancholische Sicht bleibt. Tom's Diner ist drauf, vorerst wenig beachtet, und Vegas bekanntester Song Luka, geschrieben aus der Sicht eines misshandelten Kindes. Vega schaut hin und schreibt, schlicht und literarisch. In den bombastverliebten Stadionrock-Achtzigern kommen die zur Gitarre verfassten und unprätentiös arrangierten Songs gut an.

Tom's Diner schreibt sie 1982 auf Anregung eines befreundeten Fotografen, der sagt, er fühle sich, als blicke er durch eine Glasscheibe auf das Leben, sei nie richtig beteiligt. Exegeten haben versucht, den genauen Tag zu ermitteln, von dem das Lied erzählt, und kamen auf den 18. November 1981: Da berichteten die Zeitungen über den Tod William Holdens, des Schauspielers aus dem Liedtext. Das Wetter aber war sonnig, nicht regnerisch wie im Lied. Vega spricht von einer Reihe von Ereignissen, die in den Text Eingang fanden. Der Regen sei aus dem Frühjahr 1982, sagt sie. Die Glocken der Kathedrale – Saint John the Divine, am anderen Ende der Straße – haben jeden Tag geläutet.