Die Banken halten die Unternehmen kurz – zuletzt stieg die Zuwachsrate der Kreditvergabe kaum noch an, weil die Geldinstitute härtere Maßstäbe bei der Darlehensvergabe anlegen und die Konditionen verschlechtern. Um die befürchtete Kreditklemme zu verhindern, hat die Europäische Zentralbank die Banken nun erneut mit Nachdruck aufgefordert, an Unternehmen und Haushalte auch in der Krise ausreichend Geld zu verleihen.

Es werde zwar noch einige Zeit dauern, bis das Bankensystem die massiven Liquiditätsspritzen der Notenbank in Kredite umgewandelt hat, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. "Wir erinnern die Banken aber an ihre Verantwortung, weiterhin Geld an Unternehmen und Haushalte zu angemessenen Zinsen und in angemessenem Umfang zu verleihen", ergänzte er. Alle müssten dazu beitragen, dass die Wirtschaft auch "in dieser schwierigen Zeit" funktioniert.

Auch die Bundesbank hatte in ihren Monatsberichten zuletzt festgestellt, dass die Banken strengere Maßstäbe anlegen, bevor sie Darlehen vergeben. Doch Experten beobachten zugleich, dass Kreditgeber gerade im Mittelstand intensiv um Kunden werben. In einer speziellen Untersuchung kam die Bundesbank zu dem Ergebnis, dass die niedrigen Zinsen der EZB zu einem großen Teil an Unternehmen oder private Häuslebauer weitergereicht würden. "Außergewöhnlich zögerlich" seien die Finanzhäuser keinesfalls gewesen, hieß es.

Die EZB hatte dem europäischen Bankensystem vor Kurzem für ein Jahr fast eine halbe Billion Euro zur Verfügung gestellt. Viele Banken parkten einen Gutteil dieses Geldes zunächst wieder auf Konten der EZB, was für Empörung sorgte.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) erhöhte ebenfalls den öffentlichen Druck auf die Banken, die Kreditvergabe anzukurbeln. In einem Brief kündigt er den Spitzenverbänden der Banken und Sparkassen an, die Praxis der Institute unter die Lupe zu nehmen. Detailliert listet Steinbrück die staatlichen Maßnahmen zur Bankenstabilisierung auf  – vom Bankenrettungsschirm bis zur Bad-Bank-Gesetzgebung. Konkret knüpfe er daran die Erwartung, dass die Geldhäuser Kredite zu vernünftigen Konditionen an die Unternehmen ausgeben, schrieb Steinbrück. Der Bundesverband deutscher Banken wehrte sich gegen die Schelte, bot aber gleichzeitig Gespräche an. "Wenn der Bundesfinanzminister diese Gespräche zur aktuellen Lage an einem Tisch mit allen Beteiligten fortsetzen will, sind wir konstruktiv dabei", sagte eine Sprecherin.

EZB-Chef Trichet hatte die Banken zwar zuletzt gegen Kritik in Schutz genommen, aber gleichzeitig deutlich gemacht, dass auch die EZB erwartet, dass die Kreditinstitute ihrer ökonomischen Funktion nachkommen und die Wirtschaft mit Krediten versorgen.

Um den Banken die Liquiditätsplanung zu erleichtern, hat die EZB bereits die Laufzeiten für die Kredite verlängert. Ende Juni bot sie erstmals Kredite in einem Volumen von insgesamt 442 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von zwölf Monaten zu einem Zinssatz von 1,0 Prozent an – so billig wie lange nicht. Das billige Geld wurde nach Angaben der EZB von den Banken in unerwarteter Intensität nachgefragt. Nicht alles davon kommt allerdings bei den Kunden der Banken an.