Der Vorfall hatte sich bereits am vergangenen Dienstag ereignet. Das chinesische Außenministerium sprach von uigurischen "Elementen", die gegen die Chinesen vorgegangen seien. Uiguren, die gegen die Unruhen in ihrer Heimatprovinz und das Vorgehen der chinesischen Führung protestierten, hatten die Reisegruppe auf dem Münchner Marienplatz angegriffen.

In München lebt eine sehr große uigurische Gemeinde. Dort sitzt auch die Deutschlandvertretung des oppositionellen Uigurischen Weltkongresses (WUC), der nach den Krawallen in Xinjiang scharfe Kritik am Vorgehen Pekings geübt hatte.

WUC-Vizepräsident Asgar Can hat sich für Handgreiflichkeiten entschuldigt: "Wir verurteilen jede Art von Angriff." Bereits in der Nacht zum Montag war auf das Generalkonsulat der Volksrepublik in München ein Brandanschlag verübt worden.

Nach Angaben des Ministeriums in Peking wurden chinesische Vertreter bei den deutschen Behörden vorstellig und verlangten, den Angriff auf die Reisegruppe aufzuklären. Zudem seien die deutschen Behörden aufgefordert worden, "effektive Maßnahmen zum Schutz des Lebens und des Eigentums von Chinesen in Deutschland" zu ergreifen. Das Auswärtige Amt in Berlin kommentierte die Schritte Pekings nicht. China hatte bereits direkt nach den Unruhen in Xinjiang den Uigurischen Weltkongress dafür verantwortlich gemacht.

Zahl der Toten durch Unruhen steigt auf 184

Derweil bezifferte die chinesische Regierung die Zahl der Toten bei den Unruhen in der chinesischen Provinz Xinjiang auf 184. Die meisten davon, 137, seien Han-Chinesen, die die Mehrheit in dem Vielvölkerstaat stellen. Getötet worden seien auch 46 Angehörige der Uiguren und ein Angehöriger der muslimischen Volksgruppe der Hui. Exil-Uiguren hatten dagegen erklärt, bei den gewalttätigen Unruhen seien bis zu 800 Menschen ums Leben gekommen, viele davon Uiguren. Sie seien von der Polizei erschossen oder erschlagen worden.

Weniger Polizisten auf den Straßen

Die Lage in der Provinzhauptstadt Ürümqi war am Samstag nach Schilderungen von Journalisten vor Ort ruhiger als in den Vortagen. Auf den Straßen seien weniger paramilitärische Kräfte zu sehen. Die Polizisten patrouillierten in kleiner Gruppen, die muslimischen Viertel der Stadt seien ruhig, die Geschäfte wie an jedem Samstag geschlossen.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, die Stadt kehre langsam wieder zur Normalität zurück. Auch der Busverkehr normalisiere sich, allerdings würden auf den wichtigsten Strecken Sicherheitskräfte mitfahren.

Türkischer Regierungschef spricht von Völkermord

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Gewalt gegen die muslimischen Uiguren als "Völkermord". Er kündigte an, die Türkei wolle die Lage in China im Weltsicherheitsrat besprechen. Auch Präsident Abdullah Gül übte Kritik. Gül hatte die Uiguren-Provinz im Juni besucht. Die Uiguren sind ein muslimisches Turk-Volk.