Bei den Demonstrationen in der Uiguren-Provinz Xinjiang vor einer Woche wurden nach offiziellen Angaben 184 Menschen getötet. Zuvor war von 156 Menschen die Rede. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua gab erstmals Details über die ethnische Zugehörigkeit der Opfer bekannt. Demnach wurden 137 Han-Chinesen getötet, 46 Uiguren sowie ein Mitglied der muslimischen Hui-Gruppe.

Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch hegte Zweifel an den Zahlen. "Die Regierung hat eine gründliche Untersuchung der Gewalt versprochen, aber bislang lediglich ein verzerrtes und unvollständiges Bild der Unruhen gegeben", sagte Asien-Direktorin Sophie Richardson.

Dies wecke ernsthafte Zweifel, ob die Regierung in Peking wirklich daran interessiert sei, alle Aspekte aufzuklären oder lieber eine vorgefertigte Version der Ereignisse vorlege. Unklar ist, ob in dem Xinhua-Bericht Menschen mitgezählt wurden, die von Sicherheitskräften getötet wurden.

Viele Uiguren vermuteten, dass weit mehr Mitglieder ihrer Volksgruppe bei den Unruhen ums Leben kamen. "Das sind die Zahlen der Han-Chinesen. Wir haben unsere eigenen", sagte der Uigure Akumjia. Die chinesische Führung hielt die Identität der Opfer bewusst einige Tage zurück, um ein Wiederaufflammen der Unruhen zu verhindern.

In der Provinzhauptstadt Urumqi herrschte immer noch eine angespannte Atmosphäre. Tausende Soldaten und Polizisten patrouillieren auf den Straßen. Über Lautsprecher forderten sie die Uiguren auf, in ihren Wohnungen zu bleiben. Neue Proteste flammten bisher nicht auf.

Nach Angaben von Human Rights Watch hat die chinesische Führung rund 20.000 Sicherheitskräfte in Urumqi zusammengezogen.

Am vergangenen Sonntag schlug eine friedliche Demonstration in Gewalt um. Bei dem Protest forderten die Uiguren, dass eine tödliche Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern ihrer Volksgruppe mit Han-Chinesen in einer Spielzeugfabrik in Südchina untersucht wird.