"Dieses Ereignis nun zu instrumentalisieren, ist unverantwortlich", sagte Tuomo Hatakka dem Nachrichtenmagazin Focus. Der Kurzschluss in einem Transformator sei "ein bedauerlicher Einzelfall" gewesen. Die Sicherheit des Reaktors sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. "Da wird in unverantwortlicher Weise mit den Ängsten der Menschen gespielt", sagte Hatakka.

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Insbesondere Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte angesichts der wiederholten Pannen bei Krümmel die schnelle Abschaltung alter Atomkraftwerke verlangt. Seiner Ansicht nach sollte Krümmel gar nicht mehr wieder ans Netz gehen. Dafür hatte auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier plädiert, wogegen Kanzlerin Angela Merkel ein Wiederanfahren für möglich hält, sobald die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen erfüllt sind.

Vattenfall-Europachef Hatakka geht indes davon aus, dass Krümmel "in enger Abstimmung mit den Behörden" wieder ans Netz gehen werde, sagte der. Die Restlaufzeiten von alten Reaktoren auf jüngere zu übertragen, wie von der SPD gefordert, lehnte er ab. "Ein Reaktor wie Brunsbüttel ist keineswegs unsicherer, weil er in den siebziger Jahren gebaut wurde. Deutsche Kraftwerke gehören zu den sichersten der Welt."

Der Kurzschluss in einem Transformator hatte vor einer Woche zu einer Schnellabschaltung des Reaktors in Krümmel geführt. Vattenfall hat für Samstag zu einer Informationsveranstaltung in Krümmel eingeladen. Dabei will der Geschäftsführer der Nuklearsparte, Ernst Michael Züfle, Rede und Antwort stehen.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust verlangte vom Energiekonzern Vattenfall, die Probleme binnen kurzer Zeit zu lösen. "Es muss innerhalb eines überschaubaren Zeitraums klar sein, dass man die Probleme in den Griff bekommt", sagte der CDU-Politiker der Süddeutschen Zeitung. Andernfalls solle dem Unternehmen die Betriebsgenehmigung für Krümmel generell entzogen oder ein anderer Betreiber gesucht werden. 

Von Beust will dem Unternehmen keine Frist zu Behebung der Probleme setzen. Es dürfe aber nicht wieder zwei Jahre wie nach dem Störfall von 2007 dauern, forderte er. Durch den Störfall sei es für die CDU "mit Sicherheit viel schwieriger geworden", die Debatte über die Verlängerung von Laufzeiten für Atomkraftwerke zu führen, sagte der Hamburger Landeschef. Diese Diskussion bezeichnete er dennoch als objektiv notwendig.

Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kritisierte die Informationspolitik nach den Störfällen scharf. "Die Dummheit der Energiekonzerne in ihrer Kommunikation ist kaum noch beschreibbar", sagte er dem Hamburger Abendblatt vom Samstag. Betreiber, die sich verhielten wie Vattenfall in Krümmel, würden "unfreiwillig selbst zu den größten Gegnern der Kernkraft".

Koch forderte jedoch, sichere Kernkraftwerke unbegrenzt laufen zu lassen. "Wir wollen alle politischen Laufzeitbeschränkungen aufheben", kündigte er für die Zeit nach der Bundestagswahl an. Die Laufzeit von Kernkraftwerken solle nach dem Stand von Wissenschaft und Technik entschieden werden. Wann der Ausstieg aus der Kernkraft erfolge, hänge außerdem von der Entwicklung erneuerbarer Energien ab. "Bis Mitte des Jahrhunderts wollen wir in der Lage sein, voll auf erneuerbare Energien zu bauen", sagte der hessische Ministerpräsident.

Krümmel war im Sommer 2007 nach einem Transformatorenbrand und anschließenden Wartungsarbeiten für zwei Jahre abgeschaltet worden. Beim Anfahren vor wenigen Wochen hatte es erneut einen Kurzschluss in einem Trafo gegeben. Im Zuge der Schnellabschaltung wurden weitere Fehler entdeckt.