Das Büro neben dem Einkaufszentrum in einem Kaff im Bundesstaat New Jersey war nicht mehr gut genug für Jeffrey Perk. Der Chef der Mittelstandsbank CIT Group wollte eine repräsentativere Adresse für den Sitz seines Institutes; eine, die zeigt, dass er dazugehört zur mächtigen New Yorker Finanzszene. Da schien das Gebäude mit der Nummer 505 an der 5th Avenue gerade richtig. Der schnittige Glasturm, dessen Lobby Mitarbeiter und Besucher mit Neonlicht empfängt, liegt in Laufweite zur Großbank Morgan Stanley und zur Private-Equity-Firma Blackstone. Der Umzug der 101 Jahre alten Bank aus der Provinz in die Kapitalhauptstadt war Chefsache.

Perk war an die Spitze von CIT gewechselt, nachdem er im Duell gegen Stan O´Neal um den Chefposten 2003 bei der Investmentbank Merrill Lynch den Kürzeren gezogen hatte. Dann setzte der 62-Jährige alles daran, seinen neuen Arbeitgeber  in die Top-Liga zu führen. Er machte CIT zu einem der größten Mittelstandsfinanzierer des Landes, übernahm Konkurrenten, ging hoch riskante Wetten ein. Unter anderem vergab die Bank Studentenkredite und Subprime-Hypotheken. Ihre Ausfallraten, also die Quote der nicht zurückgezahlten Darlehen, war Analysten zufolge fast doppelt so hoch wie der US-Durchschnitt.

Schon mehrmals hatten Experten vor Perks heißem Kurs gewarnt. Jetzt ist sein Kartenhaus zusammengebrochen. Weil die amerikanische Regierung Hilfe verweigert, verhandelt CIT unter Hochdruck mit den Gläubigerbanken über einen Rettungsplan. Große Chancen werden dem Institut nicht eingeräumt: Schon an diesem Freitag, spekulieren Medien, könnte CIT Insolvenz beantragen. Es wäre die größte Pleite seit dem Zusammenbruch von Washington Mutual im vergangenen September, die zweitgrößte nach dem Aus von Lehman Brothers.

Für die rund eine Million CIT-Kunden, die bereits unter der Rezession leiden, ist das Debakel eine weitere Hiobsbotschaft. CIT ist unter anderem die Hausbank von Tommy Hilfiger und Dunkin` Donuts. Allein 300.000 Kunden der Bank stammen aus dem Einzelhandel, der ohnehin hart von der Kaufzurückhaltung der Amerikaner getroffen ist und nun um sein Weihnachtsgeschäft fürchtet. Die Schockwellen könnten selbst den Industriegiganten General Electric erreichen.

Dennoch hält die amerikanische Regierung die Schäden für überschaubar, die eine Insolvenz von CIT zur Folge hätte. Die Probleme des Instituts seien zu groß, heißt es in Washington. Es lohne nicht, mehr Geld als die bereits im Dezember gezahlten 2,3 Milliarden Dollar aus dem Bankenrettungsplan in die New Yorker Bank zu pumpen. Eine Pleite von CIT, sagt die Regierung, gefährde nicht die Stabilität des gesamten Finanzsystems – anders als etwa ein Kollaps der Großbank Citigroup oder der Versicherungskonzers American International Group (AIG), die mit dreistelligen Milliardensummen am Leben gehalten werden. Zudem habe CIT kein überzeugendes Geschäftsmodell vorweisen können, verlautete es aus Washington lapidar.