"Ich habe viel zu spät gemerkt, dass ich die Kontrolle verloren habe", sagte Madeleine Schickedanz der Bild am Sonntag. Sie hätte schon viel früher Themen wie Versandhandel per Internet und die Zukunft der Kaufhäuser angehen müssen. "Das mache ich mir zum Vorwurf. Doch die Fehler im operativen Geschäft verantworte ich nicht. Dafür gab und gibt es ein Management", sagte sie.

Inzwischen habe sie leider keinen direkten Einfluss mehr. "Retten können es die Mitarbeiter mit den zuständigen Insolvenzverwaltern und Managern. Retten können uns die Kunden, wenn sie uns die Treue halten", sagte die 65-Jährige.

Schickedanz hält einen Anteil von 26,7 Prozent an Arcandor und ist damit größte Einzelaktionärin vor den Gesellschaftern des Bankhauses Sal. Oppenheim. Der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern hatte Anfang Juni einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem die Hoffnung auf Staatshilfen gescheitert war.

Wegen der Schieflage des Konzerns habe sie inzwischen viel Geld verloren, sagte Schickedanz. In besten Zeiten habe ihr Karstadt/Quelle-Aktienpaket einen Wert von rund drei Milliarden Euro betragen. "Heute sind es gerade noch 27 Millionen Euro. Auf dem Papier haben wir drei Milliarden Euro verloren", sagte die Quelle-Erbin.

Hinzukämen 170 Millionen Euro Verlust aus ihrem Privatvermögen für eine Kapitalerhöhung bei Arcandor im Jahr 2004 "und noch ein zusätzlicher dreistelliger Millionenbetrag, um das Unternehmen danach zu stabilisieren".

Sollte die Rettung von Arcandor scheitern und die Bankkredite fällig werden, drohe ihr der Verlust ihres gesamten Privatvermögens. Schließlich müsse sie die Haftung übernehmen. Sie und ihr Mann hätten daher begonnen, sich finanziell einzuschränken. "Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat. Wir kaufen auch beim Discounter. Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten."