Mit einem Warnstreik haben rund 120 Bühnentechniker der Bayreuther Festspiele ihrer Forderung nach höheren Löhnen Nachdruck verliehen. Die Generalprobe der "Meistersinger von Nürnberg" in der Inszenierung von Festspielleiterin Katharina Wagner begann mit etwa 30 Minuten Verspätung. Die Verhandlungen über einen Tarifvertrag für die insgesamt rund 140 nichtkünstlerischen Mitarbeiter sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Festspielsprecher Peter Emmerich zeigte sich nach der Sitzung optimistisch: "Eine Lösung ist zum Greifen nahe."

Der Stiftungsrat der Richard-Wagner-Festspiele beriet über ein mit der Gewerkschaft ver.di ausgehandeltes Tarifpaket. Die Mitglieder des Gremiums müssten darüber entscheiden, ob sie mit den vereinbarten Lohn- und Gehaltserhöhungen für die rund 140 nicht künstlerischen Beschäftigten der Festspiele einverstanden sind, teilte die Festspielleitung mit.

Ver.di hatte für den Fall, dass es kurzfristig zu keiner Tarifeinigung kommt, zum Festspielauftakt am 25. Juli mit einem Streik gedroht. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Festspiele, Toni Schmid, sprach angesichts des Zeitdrucks von einer extrem schwierigen Situation. "Wir suchen nach einer Lösung, damit ein Streik verhindert werden kann", sagte Schmid. Zur Premiere werden zahlreiche Ehrengäste aus dem In- und Ausland erwartet, an der Spitze Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Nach Informationen aus Festspielkreisen war bis kurz vor Sitzungsbeginn lediglich die Haltung des Bundes im Stiftungsrat zu dem ausgehandelten Tarifpaket unklar. "Vom Bund hängt es ab, ob die Türen aufgehen oder nicht", hatte ein Insider am Vorabend betont. Weitgehend festgelegt hätten sich neben dem Freistaat Bayern und der Stadt Bayreuth auch die Gesellschaft der Freunde der Bayreuther Festspiele. Alle drei hätten großes Interesse am ungestörten Auftakt der Festspiele am kommenden Wochenende. Sie seien deshalb bereit, der Tarifeinigung zuzustimmen.

Dem Verwaltungsrat gehören der Bund, der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Mäzene der Gesellschaft von Bayreuth an. Schmid verwies darauf, dass die Finanzminister von Bund und Land einem Tarifvertrag wegen der Mehrkosten für die Gesellschafter zustimmen müssen. Die Schwierigkeit läge darin, viele Beteiligte einzubinden.