Das letzte Wort will sie sich nicht nehmen lassen, nicht an ihrem Geburtstag, nicht nach dem versteckten Spott, den sie vom CSU-Chef ertragen musste. Gerade hat Horst Seehofer Angela Merkel auf dem Parteitagspodium reichlich nonchalant als "bestes Stück" der Union bezeichnet und ihr danach ein Wörterbuch: Deutsch-Bayrisch geschenkt. "Damit du mich vielleicht künftig etwas besser verstehst." Außerdem verspricht er, dass sie sich im Wahlkampf auf die "Unterstützung aus dem Süden" verlassen könne. Denn ohne die guten CSU-Ergebnisse könnte Merkel ja bekanntermaßen nicht regieren.

Angela Merkel hat mit lauerndem Gesicht den Frozzeleien zugehört. Schief lächelnd, wie man das macht bei vergiftetem Lob. Dann pirscht sie sich noch einmal an das Saal-Mikrofon heran – und kontert: Ihr mache es Spaß, "wenn bei euch was los ist". Mit mahnenden Worten verabschiedet sie sich von der Schwesterpartei: "Bleibt froh, bleibt friedlich." Schon vorher hatte Merkel lächelnd zurückgestänkert: "Wenn Horst Seehofer sagt: Wir haben wieder Biss, dann sage ich: Gut so, aber beißt die Richtigen."

Man merkt: Hinter Seehofer und Merkel liegt eine lange Streitphase. Mehrfach waren die beiden zuletzt aneinandergerasselt. Mal ging es um das gemeinsame Wahlprogramm, in das die CSU gern einen Termin für die nächste Steuererleichterung hinein geschrieben hätte. Mal ging es um die Zukunft der Europäischen Union, die die CSU gern stärker von den Nationalparlamenten und Bürgern kontrolliert sähe. Aber gleichzeitig ging es immer auch um die innerparteilichen Hoheit, um die Deutungsmacht im Schwesternverhältnis.

Die Wogen sind nun gerade wieder geglättet. In den meisten Streitpunkten hat man Kompromissformulierungen gefunden. Deshalb wollen weder Merkel noch Seehofer das große Streit-Fass noch einmal aufmachen und sich die unterschiedlichen Ansichten um die Ohre hauen. Nein, sie beschränken sich an diesem Freitag, an dem Merkel Geburtstag hat und Seehofer seinen ersten Parteitag als Chef, auf kleine Symbole, auf Spielchen und Machtdemonstrationen.

Und das von Anfang an. Auf der Machtspielchen-Skala hatte der Parteitag jedenfalls für Seehofer mit einer Niederlage begonnen. Anders als die Kanzlerin wurde er keinesfalls frenetisch von den Delegierten begrüßt. Seehofer zog fast unbeachtet in die Messehalle ein, vorbei an Trachten und Dirndln, bereit zum Winken und Lächeln. Obwohl Seehofer eine große Entourage begleitete, schlug ihm fast frostige Distanz entgegen.

Ein Zufall? Keineswegs, wie sich bei der Eröffnungsrede seines Generalsekretärs Alexander Dobrindt wenige Minuten später zeigte. Dobrindt begrüßte die einzelnen Würdenträger der CSU namentlich. Natürlich begann er mit seinem Chef. Applaus kam zwar, aber er hätte lauter sein können. Manche klatschen gar nicht. Dafür trommelten dieselben Klatschverweigerer auf die Tische, als kurz danach Günter Beckstein begrüßt wurde, der von Horst Seehofer abgelöste Ex-Ministerpräsident.

Der Applaus für den Gestürzten wurde immer lauter und rhythmischer. Dobrindt kam minutenlang nicht zu Wort. Mehrfach setzte er an, musste aber wieder abbrechen. Ähnlich dröhnend war der Applaus bei Karl-Theodor zu Guttenberg. Auch er ist Franke, auch er hat sich zuletzt als Seehofers inhaltlicher Gegenspieler profiliert.