So einsilbig kennt man den CSU-Chef gar nicht. Es ist Freitagabend, die CSU schmeißt in der Nürnberger Messehalle eine große nachträgliche Party zu Horst Seehofers 60. Geburtstag. Es gibt Semmelknödel, Schweinebraten und natürlich jede Menge Bier. Zum Nachtisch schlägt die Stunde des Kabarettisten. Wolfgang Krebs, der Mann, der auch schon Edmund Stoiber und Günther Beckstein parodiert hat, betritt die Bühne: weiße, zersauste Perücke, stolz gereckte Brust, breites Lächeln: "Hohoho." 

Krebst imitiert Seehofer sehr gekonnt. Er karikiert ihn als wankelmütigen, selbstverliebten Charmeur: "War nur Spaß, aber ich mein's ernst". Solche mehrdeutigen, teils widersprüchlichen Sätze sind tatsächlich typisch für Seehofer. Das Publikum tobt. Als Seehofer danach neben sein Double auf die Bühne gebeten wird, grinst er. Aber man sieht ihm die Verunsicherung an. "Gut" habe es ihm gefallen. "Viel" habe er von sich wieder erkannt, antwortet er dem Moderator.

Am Samstagmorgen hat Seehofer dann selber seinen großen Auftritt. Er steht auf derselben Bühne wie am Abend. Aber die Festbeleuchtung ist verschwunden. Über Seehofer hängt wieder der neon-blaue Wahlslogan der CSU: "Was unser Land jetzt braucht: Eine starke CSU in Berlin". Es ist der protokollarische Höhepunkt eines jeden Parteitags: der Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden. Aber weil es sein erster ist, hat er diesmal besondere Bedeutung. Denn es geht auch um seine Wiederwahl.

Seehofer spricht 75 Minuten. Doch je länger er redet, desto unaufmerksamer werden die Delegierten. Manche lesen, andere reden. Das liegt auch an Seehofers Redestil. Keine Frage: In kleineren Runden ist er ein begabter Entertainer und im Dialog, wie am Freitag mit Angela Merkel, ein schlagfertiger Gesprächspartner. Auch auf der Parteitagsbühne spricht Seehofer frei und nicht ohne Selbstironie. Dennoch springt der Funken nicht so recht über. Seehofer ist eben kein Volkstribun, kein Einpeitscher, kein Lafontaine, bei dem sein Publikum in jeder Minute entrüstet nickt und vor Begeisterung mit den Füßen trommelt. Er ist auch kein Schröder, der Pointe an Pointe reiht.

Stattdessen gibt sich Seehofer in seiner Grundsatzrede betont demütig. Ausführlich setzt er sich mit den Vorwürfen auseinander, die in den vergangenen Monaten gegen ihn erhoben worden sind, seit er die Führung in der Partei und im Land übernommen hat – gerade auch aus der eigenen Partei. Und er räumt auch Fehler ein. "Ihr kennt alle die Urteile", sagt er. "Ich sei ein Querulant und Krawallmacher." Aber er sei nicht "aus Bösartigkeit" unbequem, versichert er. Was ihn leite, sei einzig "das bayerische Interesse".

Er habe vor neuen Monaten einen Eid darauf geschworen, Schaden von seiner Heimat abzuwenden. Und mit diesem Stil habe er schon viel erreicht, für die Bauern, für die Hausbesitzer, für das bayerische Selbstbewusstsein als solches. Er sei überzeugt, hätte er die CSU zuletzt nicht so offensiv vertreten, hätte sie bei der Europawahl nicht auf Anhieb fast die 50 Prozent wieder erreicht.

Angela Merkel, die Vorsitzende der großen Schwesterpartei, mit der in zuletzt mehrfach überkreuz war, lobt Seehofer wiederholt. Die Sätze wirken ganz selbstverständlich: "Wie die Kanzlerin gestern sagte", "im Einklang mit der Kanzlerin".

War da nicht was? Haben nicht CDU und CSU in der vergangen Woche recht hitzig über die Zukunft der Europäischen Union gestritten und das Mitspracherecht von Bundestag, Bundesrat und der Bürger gestritten? Nur kurz nimmt Seehofer darauf Bezug: "Um Missverständnissen klar entgegen zu treten: Wir wollen Europa!", sagt er. Und weiter: "Wir sind die Europa-Partei". Ihm gehe es nicht um Blockade. Aber, und daran hält er fest: Auch eine Beteiligung der Bürger und der nationalen Parlamente sei wichtig.