Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) lässt die Kennzeichnung von Frischmilch überprüfen, nachdem die freiwillige Selbstverpflichtung der Milchwirtschaft nach Darstellung der Verbraucherlobby ein Fehlschlag war. Sie prüfe die Möglichkeit, eine solche Verordnung zu erlassen, sagte Aigner.

Dass Konsumenten herkömmliche Frischmilch von sogenannter ESL-Milch, also haltbarer Frischmilch, unterscheiden können, ist laut des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale (VZBV) nur schwer möglich. Oft suggerierten die Aufschriften der Produkte irreführende Frische-Versprechen. Daher fordert der VZBV, dass die Politik die nötigen Unterschiede im Verbraucherinformationsgesetz verankern soll.

Der Milchindustrie-Verband (MIV) wies dies zurück. Er kündigte an, in den nächsten Monaten sollten alte Verpackungen durch neuere mit richtigen Kennzeichnungen ersetzt werden. Der Austausch der herkömmlichen durch die länger haltbare Frischmilch sei im übrigen Sache des Handels.

Für Verbraucher, die an einer längeren Haltbarkeit interessiert sind, hat die ESL-Milch nach Auffassung des VZBV Vorteile. Es gebe aber Verbraucher, die sich beim Verband  beschwerten und den Geschmack der ESL-Milch kritisierten. Dieser sei anders und nicht so frisch wie bei der herkömmlichen Milch.

Daraufhin forderte der Verband die Ware entsprechend zu beschriften. Die herkömmliche Frischmilch soll die Bezeichnung "Frischmilch – traditionell hergestellt" tragen, die ESL-Milch die Kennzeichnung "Frischmilch – länger haltbar". In der Qualität unterscheiden sich beide Sorten laut VZBV nur geringfügig.

Der Milchhandel und die Milchindustrie hatten sich verpflichtet, für eine klare Kennzeichnung zu sorgen. Im Februar war vereinbart worden, die als haltbare Frischmilch verkaufte Ware als länger haltbar zu kennzeichnen. Diese Verpflichtung wurde auch vom Bundesverbraucherministerium akzeptiert.

Nur ein Drittel der Milch sei derzeit gemäß der Selbstverpflichtung gekennzeichnet, berichtete der Chef des Verbraucherverbands, Gerd Billen. Das habe eine bundesweite Überprüfung seines Verbandes von 660 Milchtüten und Milchflaschen in 80 Geschäften ergeben. Außerdem werde die traditionelle frische Milch in vielen Geschäften überhaupt nicht mehr angeboten, so Billen. Diese wurde in vielen Discountern durch ESL-Milch ersetzt.

Der VZBV führte dies auf die Vorteile bei der Produktion haltbarer Frischmilch und bei der Logistik zurück. Während pasteurisierte Milch innerhalb weniger Tage abverkauft werden muss, kann ESL-Milch in größeren Mengen auf Vorrat bestellt und länger gelagert werden. Dies schreibt der VZBV in einem Hintergrundpapier.