Nachdem sich die Übergangsregierung und der gestürzte Präsident Manuel Zelaya nicht einigen konnten, droht Honduras eine neue Welle der Gewalt. Die Anhänger von Zelaya planten für Montag einen Protestmarsch durch die Hauptstadt Tegucigalpa. Zudem riefen sie zu einem zweitägigen Streik gegen Ende der Woche auf. Die international nicht anerkannte Übergangsregierung warnte, sie werde gegen Unruhestifter hart durchgreifen.

Unterdessen setzte die Europäische Union (EU) ihre Finanzhilfen für Honduras aus. Insgesamt 65,5 Millionen Euro waren für den Zeitraum 2007 bis 2010 eingeplant. EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner erklärte in Brüssel, sie habe diese Entscheidung getroffen, weil noch immer keine Lösung für die politische Krise des Landes gefunden wurde.

Zelaya will am Wochenende einen zweiten Versuch unternehmen, aus dem Exil in Nicaragua nach Honduras zurückzukehren. Davon könne ihn niemand abhalten, sagte er in einem Telefonat. Seine Anhänger organisierten den Widerstand vor Ort. Er hatte am 5. Juli vergebens versucht, nach Honduras zu reisen. Dabei war bei Auseinandersetzungen seiner Anhänger und Soldaten am Flughafen von Tegucigalpa mindestens ein Mensch getötet worden.

Der ehemalige Präsident Costa Ricas und Friedensnobelpreisträger Oscar Arias, der als Vermittler eingeschaltet wurde, warnte nach dem Abbruch der Gespräche vor einem Bürgerkrieg: "Was wird passieren, wenn morgen ein Honduraner auf einen Soldaten schießt und dann ein Soldat auf einen bewaffneten Bürger zielt?" Arias will weiter versuchen, die Rivalen zusammenzubringen. Mindestens drei Tage lang wolle er sich noch einmal um eine Lösung bemühen, sagte er. Dazu plane er unter anderem Einzelgespräche mit Zelaya und dem Chef der Übergangsregierung, Roberto Micheletti.

Zur Lösung der schwersten politischen Krise in Mittelamerika seit Ende des Kalten Kriegs hatte Arias bei den zweitägigen Gesprächen in Costa Rica einen Sieben-Punkte-Plan vorgelegt. Demnach sollte Zelaya auf den Präsidentenposten zurückkehren, um eine Einheitsregierung unter Beteiligung sämtlicher politischer Kräfte zu bilden. Michelettis Gesandter, Carlos Lopez, bezeichnete die Vorschläge als inakzeptabel. Im Gegenzug erklärte Zelayas Vertreterin Rixi Moncada die Vermittlungsgespräche für beendet. Zelaya zeigte sich aber grundsätzlich offen für weitere Verhandlungen. Er rechne jedoch nicht damit, dass auf diesem Wege eine Einigung zustande kommen werde.