Dem 16-Jährigen wurde anschließend innerhalb von drei Monaten drei Mal Testosteron gespritzt. "Häufig reicht so ein Priming aus und die Jungs entwickeln sich ganz normal", erklärt Liesenkötter.

Was aber bedeutet es für die Psyche eines jungen Menschen, wenn er auf einmal die Pubertät im Zeitraffer erlebt?

Bei der richtigen Dosierung der Hormone erlebe der Jugendliche keinen unnatürlichen "Pubertätsschub", den er psychisch vielleicht nicht verkrafte, sagt Krude. "Wir behandeln die Jugendlichen nicht mit unnatürlichen Substanzen, sondern nur mit den Hormonen, die der Körper auch von alleine produzieren kann." Als Nebenwirkungen nennt er die typischen Begleiterscheinungen der Pubertät wie etwa Akne.

"Probleme gibt es eher, wenn die Pubertät auch nach der Behandlung zu langsam einsetzt", sagt Kinder- und Jugendpsychotherapeut Ralf Thalemann vom Sozialpädiatrischen Zentrum Berlin. Er betreue oft Jugendliche, die nach der Behandlung zwar in die Pubertät kommen, aber dann eben schon 18 oder 20 Jahre alt sind. "Das ist für sie eine sehr lange und seelisch belastende Zeit", sagt Thalemann.

Fragt man Jakob, wie sich sein Leben seit der Behandlung geändert hat, gibt er sich ganz pragmatisch. Vier Zentimeter sei er bisher gewachsen. Davon abgesehen habe sich nicht viel verändert in seinem Leben. Mädchen seien ihm zwar "nicht egal", sagt er. Aber es gäbe momentan Wichtigeres in seinem Leben. Handball, zum Beispiel. "Und wenn von anderen der Spruch kommt, ob ich nicht mal schneller wachsen will, sag’ ich einfach, dass ich jetzt erst anfange."