Der Untergrund, auf dem die abgestürzten Häuser standen, ist Abraum aus dem einstigen Tagebau. Die Dicke wird von der LMBV mit etwa 80 Meter angegeben. Erbaut wurden die Häuser in den 30er Jahren. "Heute würde niemand mehr den Bau dieser Häuser genehmigen", sagt LMBV- Sprecher Uwe Steinhuber. Dass heftige Regenfälle der Auslöser gewesen sein können, wird von allen Fachleuten ausgeschlossen. "Der abgebrochene ehemalige Abraum ist trocken, da ist kein Wasser drin", sagt Gerhard Jost, Leiter des Dezernats für Geologie und Altbergbau im Land Sachsen-Anhalt. Dass dennoch Wasser im Spiel war, dessen ist sich Jost sicher. "Wasser muss Einfluss gehabt haben", sagt er. Das sei am Fuß der Abbruchstelle erkennbar. "Das muss irgendwie von unten gekommen sein." Er hält eine "Kombination aus Setzungsfließen und Böschungsbruch" als Ursache für möglich. Beim Setzungsfließen gerät durch Wasser aufgeweichter Boden ohne Vorwarnung ins Rutschen.

Die LMBV will hingegen nicht ausschließen, dass auch alte Stollen die Ursache für den Abbruch sein könnten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Concordia-Revier untertage Braunkohle abgebaut. Erst später sei es ein Tagebau geworden. LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber gab dabei den Betreibern des Untertagebaus vor etwa 150 Jahren eine mögliche Mitschuld. "Unsere Großväter haben mitunter Raubbau betrieben und Schächte in die Erde getrieben, die nicht entdeckt oder kartiert sind."

Vor 50 Jahren kam es in der Region schon einmal zu einem Setzungsfließen. Damals kam im Braunkohlenwerk Nachterstedt ein Bergarbeiter ums Leben.

Gibt es ähnliche Risiken auch in Braunkohlegebieten?

Für die riesige Brandenburger Tagebaulandschaft zwischen Finsterwalde, Cottbus und Senftenberg gibt das zuständige Bergamt Entwarnung. "Kein Gebäude ist derzeit so gefährdet, dass es durch eine Rutschung in die Tiefe stürzen könnte", sagte der Präsident des Brandenburger Bergamtes, Klaus Freytag, am Sonntag dem Tagesspiegel. "Gleichwohl haben wir große Flächen, die nach dem Bergbau noch nicht ausreichend verdichtet sind und jederzeit ihren Halt verlieren könnten." Allerdings seien diese weiträumig abgesperrt und mit Schildern gekennzeichnet worden. Diese warnen entlang der freigegebenen Straßen sowie Rad- und Wanderwegen zwar vor Lebensgefahr, werden aber sehr oft ignoriert. Motorrad- und Quadfahrer und Fahrer großer Geländewagen durchbrechen die Absperrungen immer wieder. Selbst Pilzsammler begeben sich immer wieder in das höchst gefährliche Terrain.

Dabei müssten Krater, in denen regelmäßig Unmengen Abraum und Erde einfach verschwinden oder in die neue Seenkette rutschen, eigentlich Warnung genug sein. Vor allem in der Nähe der vom Tagebau fast eingeschlossenen Ortschaft Pritzen, die zu DDR-Zeiten schon nahezu vollständig aufgegeben worden war, machen sich die Einwohner Sorgen. "Die sind unbegründet", versichert Bergamtspräsident Klaus Freytag. "Die Häuser stehen alle auf gewachsenem und nicht auf geschüttetem Untergrund. Dieser garantiert einen stabilen Stand." Häuser auf so einer hohen Böschung wie in Nachterstedt von rund 100 Meter Höhe gebe es in Brandenburg nicht.

Zuletzt war es im April 1999 in Hosena bei Senftenberg zum Abrutschen einer Böschung gekommen. Damals stürzten ein Radlader und ein Auto in einen See, dessen Ufer auf einer Länge von 300 Metern und 100 Meter Breite abgebrochen war. Nur durch einen beherzten Sprung konnte sich der Fahrer des Baufahrzeuges damals retten. Aktuell wird ein Haus auf einem Hügel in Oderberg vor dem möglichen Abrutschen in die Tiefe gesichert. Hier hat Regen den geologischen Untergrund in regelrechte Schmierseife verwandelt.

Wo gibt es noch Bergschäden?

Im gesamten Ruhrgebiet und im Saarland gibt es Bergschäden. Durch den Steinkohleabbau sind ganze Gebiete komplett durchlöchert. Im Rheinland gibt es darüber hinaus auch noch einen großflächigen Abbau von Braunkohle im Tagebau. Im Siegerland sind viele historische Stollen überhaupt nicht dokumentiert. Erst im November 2008 ist in Siegen-Rosterberg die Einfahrt zu einer Garage in einen alten Schacht gestürzt. Im Jahr 2004 bildeten sich im Siegener Stadtteil Rosterberg tiefe Löcher, in die alles in allem 22 000 Tonnen Beton gepumpt werden mussten, um den Grund zu stabilisieren. Im Jahr 2008 kam es im Saarland zu einem folgenschweren Grubenbeben, das zunächst zu einer Einstellung des Bergbaus führte. In einem Stadtteil Völklingens kämpfen die Bewohner seit fast 20 Jahren für ein Ende des Bergbaus, weil ihnen ihre Häuser regelrecht zerbröseln.

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