Die meisten haben außerhalb dieser Gruppe niemanden, mit dem sie über ihre Erlebnisse reden können. "Viele meiner Freunde wissen nicht, dass ich PTBS habe. Sie würden es nicht verstehen. Aber hier schäme ich mich nicht, über meine Gefühle zu reden oder zu weinen", sagt Sharel und zieht sein Baseballcap noch tiefer ins Gesicht. Es war nicht immer so: "Als die Gruppe zum ersten Mal zusammen kam, saßen wir hier mit Sonnenbrillen, die Arme vor uns verschränkt und wir sprachen kein Wort", erzählt Yonni, dessen Oberkörper eine lange Narbe durchzieht.

PTBS gilt als Schwäche in der israelischen Gesellschaft. Obwohl die meisten der Väter die Kriegserfahrung mit ihren Söhnen teilen, wird in den wenigsten Familien darüber geredet. Auch in der Armee wurde PTBS lange verschwiegen. "Sie bereiten einen nicht darauf vor. Das ist das Problem", sagt Sharel.

Aber woher kommt dieses Schweigen? Gerade in einer Gesellschaft, die aus der Schoah und einem Krieg hervorging?

Die Großväter und Väter hatten noch die Hoffnung, sie zögen in den letzten Krieg für Israel. Sie waren sich sicher, ihren Söhnen bliebe diese Erfahrung erspart. Der Glauben an den Frieden gab ihnen auch eine Rechtfertigung für den Krieg und sie wurden als Helden verehrt nach der Rückkehr.

Es sei einfach eine andere Kultur gewesen, sagt Judith Yovel Recanati von Natal, einem Traumazentrum für Krieg- und Terroropfer in Tel Aviv. "Gerade in den Gründungsjahren Israels gab es keine Zeit für individuelle Gefühle. Gefragt war der "neue Israeli", der stark war, sich verteidigen konnte und kein Opfer mehr war. Eben kein Jude mehr aus der Diaspora". Das hat zu einem Männerbild in der israelischen Gesellschaft beigetragen, die sich machohaft und martialisch gibt. Schwächen und Ängste passen nicht in dieses Bild.

So dauerte es auch viele Jahre, bis die Überlebenden des Holocaust begannen, über ihre Erlebnisse zu sprechen. "Und wie sich das Trauma der Schoah auf die zweite und dritte Generation übertragen kann, ist es auch mit dem Kriegstrauma. Das unausgesprochene Leid wird weitergegeben und die Kinder der Betroffenen entwickeln ähnliche Symptome", sagt Recanati. Die Zeichen einer traumatisierten Gesellschaft erkenne man auch im Alltag: "Wir haben aggressives Verhalten im Straßenverkehr, viele Autounfälle und die Zahlen der Alkohol- und Drogenabhängigen steigen."

Viele Israelis fühlen sich außerdem in ihrem Alltag ständig bedroht. All die Kriege haben das nicht geändert. "Die Leute haben das Gefühl, es sei noch nicht vorbei und so können auch die Traumatisierten nicht mit dem Erlebten abschließen", ergänzt Recanati. Die Zeit der klaren Sieger und Helden ist dadurch auch vorbei. Und so wächst die Kritik an den Kriegen und die Unterstützung innerhalb der Gesellschaft lässt nach.