Fast elf Jahre ist es her, dass Magdalena Rivas ihren Sohn zum letzten Mal sah. Am 14. Oktober 1998 wurde Elkin Hernández in der Region Caquetá im Süden Kolumbiens von Farc-Kämpfern entführt. 22 Jahre war der Major der nationalen Polizei damals alt. Heute ist er 33, und noch immer befindet er sich in der Gewalt der marxistischen Guerillabewegung. "Ich denke jede Sekunde an ihn", sagt seine Mutter.

Magdalena Rivas sitzt im Wohnzimmer ihres bescheidenen Hauses im Süden der 8-Millionen-Metropole Bogotá. Sie ruft ihre Enkelin. Die Zwölfjährige schiebt eine DVD in den Player, auf dem Bildschirm erscheint ein junger, hagerer Mann, sichtlich bemüht, Zuversicht auszustrahlen.

Es ist Elkin. Seine Bewacher haben ihm vor dem Dreh die Kette abgenommen, mit der er sonst gemeinsam mit einem Mitgefangenen an einen Baum gefesselt ist. Er grüßt die Eltern und seine drei Schwestern. Deren Kinder kennen ihren Onkel nur von der Mattscheibe.

Magdalena Rivas hat die Aufnahmen schon Hunderte Male gesehen. Es nimmt sie jedes Mal aufs Neue mit. Nach dem Verschwinden ihres Sohnes nahe der Grenze zu Peru und Ecuador lebte die Familie lange mit der schrecklichen Ungewissheit. Erst drei Jahre später erreichte sie ein erstes Lebenszeichen, ein Brief. Mittlerweile haben die Rebellen ihnen zwei Videos zugespielt. Das letzte ist allerdings schon wieder zwei Jahre alt.

"Er sieht erschöpft aus. Er hat kaum mehr Haare auf dem Kopf", sagt Magdalena Rivas. Ihre Augen werden feucht. "Elkin war immer sehr spirituell. Gott und die Liebe seiner Familie geben ihm hoffentlich die Kraft durchzuhalten."

Elkin Hernández ist eines von Tausenden Opfern in einem blutigen Konflikt, der Kolumbien seit mehr als einem halben Jahrhundert in seinem Würgegriff hält. Nach dem Mord an dem liberalen Präsidentschaftskandidaten Jorge Eliécer Gaitán im Jahr 1948 gingen seine radikalen Anhänger in die Berge, um mit Waffengewalt gegen die Großgrundbesitzer zu kämpfen. Einige von ihnen, geführt von dem Landarbeiter-Sohn Manuel Marulanda, gründeten am 20. Juli 1964, dem nationalen Unabhängigkeitstag, den "Bloque Sur" ("Südblock"), der sich zwei Jahre später in Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens, kurz Farc, umbenannte.

Heute, 45 Jahre später, steht die älteste Guerillagruppierung Lateinamerikas so geschwächt da wie nie zuvor. Die große Mehrheit der Kolumbianer lehnt sie ab. Als Drogenhändler und Kidnapper haben die Guerilleros ihre Glaubwürdigkeit verloren.