Zwei Drittel der Anfragen kamen von Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften, hieß es in einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der FDP.  Bei den übrigen Konto-Überprüfungen handelte es sich um die Festsetzung der Einkommensteuer sowie um die Vermögensverhältnisse von Hartz-IV-, Wohngeld- und Bafög-Empfängern. Erst im vergangenen Jahr hatte das Bundessozialgericht in Kassel entschieden, dass Hartz-IV-Empfänger auf Verlangen der Arbeitsagentur ihr Konto offenlegen müssen.

Das Finanzministerium weiß eigenen Angaben zufolge allerdings nicht, ob die betroffenen Kontoinhaber über den Datenabruf informiert wurden. Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gisela Piltz, warf der Bundesregierung deshalb mangelnde Aufsicht vor. Der Rheinischen Post sagte sie: "Bei Maßnahmen wie der Kontoabfrage muss der Betroffene wenigstens hinterher informiert werden, sonst ist eine Überprüfung der Rechtmäßigkeit nicht möglich."

Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften hatten schon in den vergangenen beiden Jahren etwa 60.000 bis 70.000 Abrufersuche gestartet. Welche Straftaten dabei jeweils verfolgt wurden, ließ das Ministerium allerdings offen.