"Gibt es eigentlich linke und rechte Espadrilles?", fragt Carl, als wir vor einem großen Haufen dieser Schuhe in diversen Farben stehen. "Nein, gibt es nicht. Sie passen sich in kürzester Zeit jedem Fuß an, was natürlich nicht immer von Vorteil ist", erkläre ich ihm. "Sie sind das, was man Unisex nennt. Frauen tragen sie, Männer, Kinder - und wahrscheinlich auch bald Hunde."

"Welche Farbe soll ich denn kaufen?", fragt Carl weiter und hält unentschlossen ein Paar in hellblau hoch. "Heterosexuelle Männer in Bonbonfarben? Finde ich schwierig. Ich plädiere für Dunkelblau, Grau oder, wenn Du es extravagant willst: Rot."

"Bei 7,90 Euro pro Paar kaufe ich sie einfach alle drei", beschließt Carl, schmeißt seine alten Flipflops in den Müll, und zieht die dunkelblauen Espadrilles zu seinen Khaki-Shorts an. Binnen Minuten verwandelt er sich von einem watschelnden Flipflop-Träger in einen Mann mit souveränem Schritt und Großer-Ferien-Stimmung im Gesicht.

Endlich haben es auch die Männer kapiert: Dieser Sommer ist wieder ein Espadrilles-Sommer. Ich spreche hier nicht von den Designer-Espadrilles aus Leder, mit Absatz oder Fesselbändchen zum Schnüren, die Tommy Hilfiger , Chloe und Stella McCartney schon länger wieder über den Laufsteg schicken. Nein, die simplen Originale, die einst die Landarbeiter auf Mallorca trugen, sind endlich wieder auf den Straßen unterwegs. Vielleicht liegt das an der Krise - diesen Sommer hat keiner Geld für teures Schuhwerk übrig. Je simpler, desto besser.

In den fünfziger Jahren trugen Grace Kelly und Sophia Loren an der Riviera Espadrilles mit Keilabsatz  zu Tellerrock und Caprihosen. Salvador Dalí und Pablo Picasso nutzten sie ebenfalls nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Ausgehen. Damals waren die Sohlen noch aus Espartogras, einer Art Steppengras, das in lustigen Büschen wächst.