Die Berichte über einen Wechsel an der Spitze des Sportwagenbauers entbehrten jeder Grundlage, sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche. Er weise die Spekulationen entschieden zurück, dass Produktionsvorstand Michael Macht auf Wendelin Wiedeking folge. Ein Porsche-Sprecher betonte, Wiedeking sei weiterhin Chef der Porsche AG und der Porsche Holding.

Zuvor hatten das Wirtschaftsmagazin Wirtschaftswoche und das Nachrichtenportal Spiegel Online übereinstimmend berichtet, die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch hätten sich darauf geeinigt, dass Michael Macht neuer Porsche-Chef wird. In den letzten Tagen hatte es mehrere Medienberichte über ein zu erwartendes Ausscheiden Wiedekings gegeben.

Die Zukunft von Porsche und damit auch die Wiedekings könnte sich am Donnerstag klären, wenn in Stuttgart die Aufsichtsräte von Porsche und Volkswagen in getrennten Sitzungen tagen.

Der 48 Jahre alte Macht ist derzeit Produktionsvorstand bei Porsche und gilt laut Spiegel in der Branche als hoch qualifizierter Fertigungsexperte, der in der Porsche-Produktion jährlich große Effizienzsteigerungen erreichte. Der Manager gehört seit 1998 zum Vorstand der Porsche AG.

Wendelin Wiedeking würde den Berichten nach Vorsitzender der Salzburger Porsche-Holding bleiben, er könnte aber selbst diesen Posten verlieren. In der Porsche-Holding haben die Stuttgarter neben ihrem Autogeschäft auch die VW-Anteile des Konzerns gebündelt. Die Porsche-Holding kontrolliert nicht nur die gleichnamige Sportwagentochter, sondern auch eine 51-Prozent-Beteiligung am Stammkapital von VW – für die sich Porsche hoch verschuldete. Bislang hat Wiedeking beide Vorstandsposten inne.

Nicht nur das Unternehmen, auch Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist, dementierte Meldungen über eine Ablösung Wiedekings energisch. "Dr. Wiedeking ist Vorstandsvorsitzender und er wird es auch bleiben." Er zeigte sich verärgert darüber, dass seit Wochen versucht werde, "einen Menschen zu zerstören". Einen neuen Vorstandsvorsitzenden werde es gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nicht geben.

Zugleich wird auch über die Höhe der Abfindung für Wiedeking spekuliert. Experten zufolge könnte sie 100 Millionen Euro hoch ausfallen und wäre damit die höchste, die ein scheidender Manager je in Deutschland erhalten hätte. Bisher verdiente Wiedeking – Deutschlands zumindest nach der Vergütung erfolgreichster Automanager – schätzungsweise 80 Millionen Euro im Jahr. Offiziell läuft der Vertrag des 56-Jährigen erst 2012 aus.

Am Donnerstag tagen die Aufsichtsräte – doch den Berichten nach haben sich die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch schon jetzt grundsätzlich darauf geeinigt, dass Volkswagen knapp die Hälfte an der Porsche AG übernimmt und der Sportwagenhersteller als zehnte Marke in den Konzern integriert wird.

Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche wollte immer, dass die Firma eigenständig bleibt und hatte auf finanzielle Hilfe aus dem Emirat Qatar gehofft. Die Familien sollen sich auch hierüber einig sein, dass das Emirat die VW-Optionen von Porsche übernehmen und dritter Großaktionär bei VW werden soll.

Porsche hatte versucht, Volkswagen zu kaufen, 51 Prozent der Stammaktien übernommen und sich finanziell dabei übernommen – der Schuldenstand soll zehn Milliarden Euro betragen.

Bereits am Donnerstag hatte es Berichte gegeben, dass Wiedekings Abgang kurz bevorstünde. Auch sie wurden von Porsche dementiert. Am Abend gab sich der Porsche-Chef bei den Feierlichkeiten zur 100-Jahr-Feier bei Audi in Ingolstadt zuversichtlich und selbstbewusst. Er fühle sich "pudelwohl" in seinem Job und wolle sein Amt bis zum Vertragsende ausüben.

Der mögliche Nachfolger Michael Macht gilt als Ziehsohn von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Der 48-jährige Schwabe stieg gemeinsam mit dem Westfalen in der Sportwagenschmiede auf. Nach einem Maschinenbaustudium an der Universität Stuttgart und einer Tätigkeit beim Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation wechselte er in die Wirtschaft. Bei Porsche wurde er 1990 Fachreferent für Motorenplanung.