Hinter diesem Aufgebot an hehren Zielen steht jedoch nur die doppelte Absicht, Russland ein Veto gegen jede Erweiterung von Nato und EU zu geben und die Vorgänge im Land vor kritischen Blicken von außen abzuschirmen. Auch wenn noch keine westliche Regierung den Plan formell abgelehnt hat und die OSZE-Außenminister sogar beschlossen, die russische Initiative zu einem neuen "Sicherheitsdialog" zu nutzen, ist sie ein totgeborenes Kind. Denn Medwedjews Vorhaben liefe darauf hinaus, anderen Ländern die Bündniswahl zu untersagen und Menschenrechtsverletzungen internationaler Kritik zu entziehen. Dem wird keine Regierung in Amerika und Europa zustimmen.

Was könnte aber dann aus der Sackgasse herausführen? Für neue Sicherheitsarchitekturen ist die Zeit nicht reif. Stattdessen sollten Russland wie die Regierungen im Westen sich die alte Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) zum Vorbild nehmen, aus der die OSZE hervorgegangen ist. Die KSZE hat mit ihren drei Körben Sicherheit, Wirtschaft und Menschenrechten vor bald einem halben Jahrhundert die pragmatische Grundlage für gemeinsame Lösungen geschaffen: eine ständige Diplomaten-Konferenz, auf der jeder Staat, auch Russland, seine Sicherheitssorgen zur Sprache bringen kann - aus eigenem, nicht von westlichen Institutionen gewährtem Recht.

In der Zwischenzeit sollte der Westen legitime Sicherheitsinteressen Russlands ernst nehmen und pragmatische Übereinkünfte suchen, wo sie möglich sind. Neue Harmonie verspricht das noch nicht, neue Konflikte schließt es nicht aus. Aber vielleicht kann so im misstrauischen Moskau langsam das Vertrauen wachsen, dass der Westen, es ehrlich meint, wenn er, wie Obama in seiner Moskauer Rede, sich kein schwaches, sondern ein starkes, friedliches und wohlhabendes Russland zum Partner wünscht.