Offen bliebe aber selbst dann allerdings, welche linken Parteien davon profitieren würden. Was für die Grünen die Umwelt, war für die SPD lange Zeit das Thema "soziale Gerechtigkeit". Es galt als ihre Kernkompetenz. Seit der Agenda 2010 jedoch ist diese Verbindung nachhaltig gestört. Seitdem beansprucht die Linke das Thema mit einigem Erfolg für sich.

Zwar ist es der SPD gelungen, sich in der Wählerwahrnehmung wieder nach links zu verschieben und die Reformagenda in den Hintergrund zu schieben. Vergessen ist ihr reformerischer "Sündenfall" für viele einstige Anhänger aber nicht.

In unsicheren Zeiten kommt es auf Personen an

Schließlich ist die Dimension der aktuellen Wirtschaftskrise noch gar nicht recht klar. Sicher ist angesichts der immer noch düsteren Prognosen nur, dass sie sich deutlich von herkömmlichen Rezessionen unterscheidet und am ehesten an die Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren erinnert. Was die Frage aufwirft, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichen und was noch alles kommt.

Wem aber wenden sich Bürger in solchen Zeiten der Unsicherheit zu? In Ermangelung harter Fakten spielen soft skills eine zentrale Rolle: Wem vertrauen die Menschen? Wen halten sie für glaubwürdig? Das Credo von Kanzlerin Angela Merkel: "Die Krise ist schwerwiegend, aber wir schaffen das", trifft den Nerv der Zeit, unterstützt von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich als "ehrlicher Makler" und Beschützer der Interessen der Steuerzahler positioniert.

Dem zu begegnen, stellt für die SPD (wie für alle anderen Parteien auch) eine schwierige Aufgabe dar. Dies umso mehr, als ihre Aktivitäten und Vorschläge, etwa zur Rettung von Opel und Arcandor, auch in den Medien meist mit dem Etikett "Wahlkampf" versehen werden und deshalb als wenig überzeugend erscheinen.

Reinen Wahlkampf zu führen ist offenkundig derzeit aber noch nicht akzeptiert und gilt vielen Wählern angesichts der Krise auch als wenig legitim. Entsprechend gehen die Angriffe der SPD gegen die Union und Schwarz-Gelb bislang meist auch ins Leere.

Der SPD fehlt der Mann für die Wirtschaftskrise

Je näher allerdings der 27. September rückt, desto legitimer wird es, Wahlkampf zu führen. Bislang tun sich linke Parteien schwer mit der Wirtschaftskrise. Das muss aber nicht so bleiben. Je stärker die Krise – etwa über steigende Arbeitslosenzahlen oder eine Diskussion über eine gerechte Verteilung der mit ihr verbundenen Lasten – eine sozial- und verteilungspolitische Dimension erhält, desto eher wird sie zum Thema der Sozialdemokraten und Linken.

Allerdings müssen sie dafür glaubwürdige Vorschlägen machen. Dies ist ein Kernproblem der Linkspartei, der hier wenig zugetraut wird. Es ist aber auch der Schlüssel für die SPD. Dass ihr Außenminister und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier Monate vor der Wahl vor den Werkstoren in Rüsselsheim medienwirksam die Rettung von Opel versprach, war allzu durchsichtig und wurde von den Wähler entsprechend wahrgenommen.

Die Kombination von Thema und Person muss passen. Der Störfall im AKW Krümmel und die entschlossenen Reaktionen von Umweltminister Sigmar Gabriel sind ein gutes Beispiel dafür. Eine ähnliche Paarung muss die SPD mit Blick auf die Wirtschaftskrise noch finden.