Fast ist es an diesem Dienstag so, als sei nichts gewesen. Als habe die Deutsche Bank nicht in den Abgrund geblickt, als habe da nicht noch vor Monaten ein Jahresverlust von 3,9 Milliarden Euro in den Büchern gestanden – der höchste in der Geschichte des Instituts. Nun kann Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, wieder gute Zahlen verkünden: 1,1 Milliarden Euro verdiente sein Institut zwischen April und Juni. Jetzt, nur wenige Monate später, geht es wieder um die alten Fragen, kehren die alten Muster zurück.
Der Überschuss sei zwar besser, die "Gewinnqualität" habe aber "enttäuscht", ließ der Commerzbank-Analyst Michael Dunst wissen, wenige Stunden nachdem die Zahlen in der Welt waren. Der Vorsteuergewinn sei schlechter als erwartet.
"Enttäuschend" seien die Zahlen, befanden auch die Analysten von JP Morgan Chase. Die Deutsche Bank habe die Erwartungen um 200 Millionen verfehlt. Überraschend schwach habe sich das Anleihegeschäft entwickelt, ließen die Analysten wissen, und verglichen die Deutsche Bank ausgerechnet mit dem Konkurrenten Goldman Sachs, jener Bank, die mit billigem Geld der Regierung wieder Milliardengewinne erwirtschaftet. Das Anleihegeschäft von Goldman Sachs sei immerhin konstant geblieben, mäkeln die Kommentatoren. Das der Deutschen Bank aber sei um 44 Prozent eingebrochen.
So schnell kann es gehen. Noch vor Monaten stand das Finanzsystem am Abgrund, setzten die Regierungen Milliarden ein, um Banken in aller Welt zu stützen. Auch die Deutsche Bank war in akuter Gefahr. Als die Regierung die Immobilienbank Hypo Real Estate vor der Insolvenz bewahrte, rettete sie das Ackermann-Institut vor dem Ausfall von Verbindlichkeiten in Höhe von einer Milliarde Euro. Andere Risiken schob das Institut rechtzeitig an andere Banken ab, etwa an die Industriebank IKB, die anschließend vom Steuerzahler gerettet werden musste.
Vergessen. Die Geschäfte florieren wieder, die Gewinne kommen wieder, nicht nur bei der Deutschen Bank. Goldman Sachs schrieb im zweiten Quartal einen Rekordgewinn von 13,8 Milliarden Dollar, JP Morgan Chase verbuchte immerhin 2,7 Milliarden Dollar, die Citigroup verdiente 4,3 Milliarden. Für den Finanzexperten der Grünen, Gerhard Schick, ist das kein Wunder. "Wer die Banken mit Milliarden billigen Geldes unterstützt, sollte sich nicht wundern, wenn sie wieder gute Gewinne machen", sagt er. "Es zeigt doch nur, dass die Rettungsaktionen Wirkung zeigen."
Die Deutsche Bank schlägt dabei gleich mehrfach aus der Krise Kapital. Zum einen kann sie sich mit dem billigem Geld der Notenbank auf den Märkten günstig einkaufen. Eine Milliarde Euro verdiente das Institut allein im zweiten Quartal mit dem Investmentbanking, zu dem auch der spekulative Eigenhandel zählt. Vorsorglich hat das Institut die Rückstellungen für die Boni bereits erhöht. "Die Party geht weiter", schimpft deshalb der Grünen-Experte Schick.
Eine andere wichtige Gewinnquelle sind Unternehmensanleihen, die durch die Banken am Markt platziert werden. Auch die Deutsche Bank profitiert seit Monaten von dem Boom. Der entstand unter anderem, weil die Banken künftige Unternehmenspleiten fürchten und deshalb mit Krediten knausern. Weil sich die Firmen nicht anders zu helfen wissen, legen sie Anleihen auf, an deren Ausgabe die Banken kräftig mitverdienen, etwa über Gebühren. So ist eine "perverse Situation" entstanden, findet der Finanzexperte der SPD, Carsten Schneider. Die Banken profitieren indirekt vom schwächelnden Kreditgeschäft – und damit von der Krise.
Glaubt man dem amerikanischen Markforschungsinstitut Dealogic, haben sich die Firmen in den ersten sechs Monaten allein in Kontinentaleuropa durch die Ausgabe von Bonds 318 Milliarden Dollar geliehen, 50 Prozent mehr als der Durchschnitt der vergangenen Jahre. Nicht mit eingerechnet sind die Anleihen, die Banken selbst ausgeben.