Das gab es nach mehr als einem halben Jahrhundert nicht mehr: Chinas Staatsoberhaupt nimmt per Brief direkten Kontakt zu seinem Amtskollegen in Taiwan auf. Präsident Hu Jintao gratulierte Taiwans Präsident Ma Jing-jeou zu dessen Wahl zum Vorsitzenden seiner regierenden Nationalpartei. Darin drückte er seine Hoffnung aus, das gegenseitige politische Vertrauen zu vertiefen, die friedliche Entwicklung voranzutreiben und die Beziehungen zu verbessern.

Das Telegramm aus Peking, das förmlich an Ma Jing-jeou, Vorsitzender des Zentral-Komitees der KMT, adressiert war, gilt als weiterer Mosaikstein im Annäherungsprozess zwischen Taipeh und der Volksrepublik. Seit Ma vor einem Jahr in Taiwan Präsident geworden ist, sind die jahrzehntelang eisigen Beziehungen zwischen den beiden Staaten deutlich enger geworden. Die wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte zwischen Taipeh und Peking wurden intensiviert.

Taiwanesische Medien hatten sogar darüber spekuliert, dass es in nächster Zeit zu einem Treffen der beiden Politiker auf Parteichef-Ebene kommen könnte. Ma hatte jedoch wiederholt erklärt, er plane in naher Zukunft keine solche Zusammenkunft.

Die Opposition in Taiwan kritisiert die Haltung des KMT-Vorsitzenden gegenüber China. Sie befürchtet, dass Mas Annäherungskurs zu einer Wiedervereinigung führen und damit Taiwan seine mühsam errungene Souveränität einbüßen könne.

Trotz der neuen Harmoniebestrebungen erhebt Peking noch immer Anspruch auf die abtrünnige Insel. 1950 hatte sich diese nach dem Ende des Chinesischen Bürgerkriegs vom kommunistischen Mutterland abgespalten. Anfangs wurde der Taiwan-Konflikt militärisch ausgetragen und verfestigt, ab den 80er Jahren folgte ein Prozess einer sehr langsamen Annäherung, der hauptsächlich auf wirtschaftlichen Interessen basierte.