Dem Herren von Kärnten blieb nicht mehr viel Zeit. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges verkroch sich Gauleiter und Landeshauptmann Friedrich Rainer, ein Nazi der ersten Stunde, tief unter die Erde in seinen Befehlsstand, einen weitläufigen Luftschutzbunker nahe des Botanischen Gartens von Klagenfurt, der erst kurz zuvor auf Führerbefehl zum Schutz der Bevölkerung gegraben worden war.

Bevor er am 7. Mai 1945 in die Wälder floh, nahm er noch über Radio Abschied von seinen Volksgenossen: "Passt mir auf mein Kärnten auf!" Exakt diese pathetische Formel wählte auch Jörg Haider, als er fast 40 Jahre später für einige Jahre aus seinem Amt als Landeshauptmann gejagt wurde, weil er in öffentlicher Sitzung die "ordentliche Beschäftigungspolitik" der Nazis gelobt hatte.

Wie bekannt, konnten auch solche Entgleisungen nicht verhindern, dass der zugezogene Oberösterreicher in seiner Wahlheimat (er hatte dort Grundbesitz geerbt) als Lichtgestalt vergöttert wurde. Der populistische Politiker wurde immer wieder gewählt, und als er eines Nachts nach einem heimlichen Treffen in einer Schwulenbar volltrunken und mit überhöhter Geschwindigkeit in den Tod raste, fiel das Bundesland, bekannt als fideles Ferienparadies, in Schockstarre, als habe da ein Märtyrer sein Leben für Land und Leute gegeben.

Jetzt kehrt das tote Idol zurück in den Bunker, der heute ein wenig besuchtes Bergbaumuseum ist. Am Vorabend des Jahrestages seines Unfalltodes am 11. Oktober soll dort eine große Gedächtnisausstellung eröffnet werden, die das Kulturreferat der Stadt am Wörthersee mit 85.000 Euro zur Gänze finanziert. Witwe Claudia Haider, insgeheim als Landesmutter verehrt, hat zugesagt, auch die private Hinterlassenschaft des teuren Toten zugänglich zu machen.

Unvergessen sind noch die skurrilen Trauerbekundungen in den Tagen und Wochen nach dem Verkehrsunfall. Das pompöse Begräbnis des österreichischen Volkstribunen übertrug das Staatsfernsehen stundenlang live. Immer wieder wurden an der Unfallstelle Blumenschmuck und Lichtleinmeer erneuert. Haiders Popularität blieb in seiner Wahlheimat ungebrochen.

Nach wie vor ebbt der Verehrungskult nicht ab, und der Untote schmückt weiterhin regelmäßig die Titelseite der Revolverpostillen. Selbst im regionalen Wahlkampf, ein halbes Jahr nach dem Unfall, war er omnipräsent und bescherte seinen Nachfolgern einen triumphalen Erfolg.