Magnetic Particle Imaging (MPI) heißt das Zauberwort. Mit diesem neuen Bildgebungsverfahren wollen Mediziner sichtbar machen, wie das Blut durch die Herzkranzgefäße ihrer Patienten fließt, wie gut der Herzmuskel durchblutet ist und wie viel Blut er durch den Kreislauf pumpt. Denn mit diesem Wissen könnten Ärzte Herzkreislauferkrankungen früher erkennen und eine genauere Diagnose stellen.

Am Philips-Forschungszentrum in Hamburg arbeiten Mediziner und Techniker derzeit an der neuen Technologie, die bisher allerdings nur im Tierversuch funktioniert. Der besondere Trick: Dem Patienten sollen Eisenoxid-Nanopartikel ins Blut injiziert werden, die dann durch ihre magnetischen Eigenschaften über einen Scanner lokalisiert werden. Nach der Injektion erscheinen die Nanopartikel in den Bildern als helle Signale, aus denen ihre Konzentration im Blut errechnet werden kann.

Im Laborversuch an Kleintieren lieferte der MPI-Scanner die Bilder vom schlagenden Herzen 1000 Mal schneller als herkömmliche Geräte wie zum Beispiel der Positronen-Emissions-Tomograf (PET). Durch die Kombination hoher räumlicher Auflösung mit kurzen Bildaufnahmezeiten kann er dynamische Konzentrationsveränderungen erfassen, während die Nanopartikel durch die Blutgefäße strömen. Das Ergebnis ähnelt einer Filmaufnahme aus dem Inneren des Körpers.

Eine Verbesserung der Diagnose von Herzerkrankungen ist unbedingt notwendig, meint Malte Kelm, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Universität Düsseldorf. "Herzkreislauferkrankungen sind in der westlichen Welt die häufigste Todesursache", sagt er. Zu den häufigsten Leiden gehören hoher Blutdruck, Arterienerkrankungen, Herzkrankheiten und Schlaganfälle. "Das europäische Gesundheitswesen hat durch derartige Erkrankungen Kosten von mehr als 100 Milliarden Euro zu tragen", erläutert Kelm. "Gerade hier sind innovative Behandlungsverfahren von Bedeutung, um eine bessere Therapie bei geringeren Kosten zu ermöglichen."

Jörg Barkhausen, Radiologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, ist überzeugt, dass die MPI-Technologie Zukunft hat, "auch wenn sie wahrscheinlich erst in etwa zehn Jahren zum Einsatz kommt". Für ihn liegen die Vorteile auf der Hand. "Mit dem MPI-System erhalten wir eine hohe räumliche Auflösung. Bilder könnten dreidimensional und in einer hohen Geschwindigkeit dargestellt werden – und gleichzeitig kann man den Blutfluss verfolgen."

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Beim MPI-Verfahren werden weder Patienten noch Ärzte Röntgenstrahlung ausgesetzt. Doch bisher wurden nur vorklinische Studien an Kleintieren mit einem Prototypen vorgenommen. "Für den Einsatz am Menschen müsste man mit weitaus größeren Magnetfeldern arbeiten. Das ist auf jeden Fall eine große Herausforderung", meint Thorsten Buzug, Leiter des Instituts für Medizintechnik an der Universität Lübeck. Probleme, die der Forscher allerdings nicht für unüberwindbar hält.