Susanne Thoras Sohn Philipp war drei Jahre alt, als die ersten Lego-Steine unter dem Weihnachtsbaum lagen. Die ganzen Feiertage habe die Familie daraufhin mit den Steinen gespielt, erinnert sich die Mutter. Groß sei die Faszination für die Bausteine aus Plastik gewesen.

Es gibt in Deutschland kaum ein Kind, das nicht mit Lego aufgewachsen ist. Bald aber könnte Lego seine Dominanz verlieren. Der Bundesgerichtshof hat unlängst den Markenschutz für die bunten Klötze einkassiert. Künftig darf nicht nur der dänische Konzern die Bauklötze anbieten, auch die Konkurrenz mischt jetzt mit im Kampf um die Kinderzimmer.

Es ist ein Kampf, der sich lohnt. Mehr als zwei Milliarden Euro haben die Deutschen alleine im Jahr 2007 für Spielwaren ausgegeben. Legos Konkurrenten Megabrands aus Kanada und Best-Lock aus Hongkong wollen dem Marktführer nun seinen Anteil streitig machen. Dessen Geschäft ist einträglich: Als größter Spielzeughersteller Europas hat Lego in Deutschland einen Marktanteil von 13,4 Prozent. Der Umsatz des Unternehmens stieg im letzten Jahr trotz Wirtschaftskrise um 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Die Wettbewerber greifen Lego dort an, wo die dänische Firma verwundbar ist: Ihre Steine sind günstiger. Während eine Polizei-Station von Lego zum Beispiel 94,99 Euro kostet, geht eine ähnliche Station von Best-Lock für weniger als 20 Euro über die Ladentheke. Auch sonst haben die Bausteine der Konkurrenz große Ähnlichkeit mit denen von Lego. Sie sind bunt und eckig, haben die charakteristischen Noppen und im Inneren Röhrchen, die der Stabilität dienen.

Die Ähnlichkeit ist so groß, dass Lego gleich mehrmals vor Gericht gezogen ist, um seine Stellung zu verteidigen. In den siebziger Jahren lief das Patent für die Bauklötze aus, also suchte der Spielzeughersteller Schutz im Wettbewerbsrecht. Das funktionierte auch, bis der Bundesgerichtshof im Jahr 2004 entschied, dass Lego seine Bauklötze nicht ewig schützen kann – der Markteintritt liegt zu lange zurück. Doch wieder fanden die Dänen eine Möglichkeit, ihre Bausteine vor zu harter Konkurrenz zu bewahren. Sie registrierten die Form ihres Noppensteins als sogenannte dreidimensionale Marke.

Fünf Jahre ging das gut. Dann versagte der Bundesgerichtshof den Bausteinen vor rund zwei Wochen den Markenschutz. Auf die "Klemmnoppen" kann kein Markenschutz gewährt werden, da diese für eine technische Wirkung erforderlich sind, urteilten die Richter in Karlsruhe (Az.: I ZB 53/07, 55/07). Früher oder später müsse die Allgemeinheit jedoch Zugriff auf technische Funktionen erhalten. Der Schutz sei deshalb begrenzt.

Zwar will sich der Konzern dagegen wehren. "Wir hoffen jetzt auf den Europäischen Gerichtshof", sagt Lego-Konzernjustitiar Poul Hartvig Nielsen. Große Auswirkungen auf den Spielzeug-Markt wird das Urteil jedoch nicht haben, sagt Volker Schmid, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie. "Lego ist es gelungen, seine Marke in den Köpfen der Kunden extrem hoch anzusiedeln." Deshalb würden die Kunden auch in Zukunft zum Original greifen. "Lego ist Lego und wo etwas anderes draufsteht, werden die Kunden zunächst einmal skeptisch reagieren", sagt Schmid.

Neben seinem bekannten Namen hat Lego einen weiteren entscheidenden Vorsprung: In fast jedem Spielwarengeschäft in Deutschland gibt es ein Regal mit Lego-Produkten. Die Baukästen der Konkurrenz hingegen muss man suchen und findet sie eher im Internet als im Fachgeschäft.

Susanne Thora glaubt dennoch, dass sich viele Eltern demnächst für die Bausteine von Best-Lock und Megabrands entscheiden werden – vorausgesetzt, die Qualität stimmt. "Die Produkte sind einfach viel günstiger", sagt sie. Und: "Früher oder später landen die Steine sowieso im Schrank und werden für die Kinder uninteressant." Bis es soweit kommt, ist ihrem Sohn Philipp egal, wer die Bausteine hergestellt hat, mit denen er spielt. Hauptsache sie halten.