Frage: Herr Wittenstein, wie geht es Ihrem Unternehmen?

Manfred Wittenstein: Die Erwartungen, die wir noch vor ein paar Monaten gehabt haben, erfüllen sich nicht. Der Umsatz wird in diesem Jahr um zehn bis 15 Prozent sinken. Dabei entwickeln sich die Märkte ganz unterschiedlich: In manchen Bereichen haben wir sehr starkes Wachstum, in anderen einen extremen Einbruch.

Frage: Um welche Märkte geht es?

Wittenstein: Medizintechnik läuft gut, ebenso der Bereich Nanotechnologie sowie Sicherheits- und Energietechnik. Auf der anderen Seite gibt es im klassischen Maschinenbau, zum Beispiel Verpackungsmaschinen, große Einbrüche, weil natürlich viele Firmen derzeit nicht investieren. Die große Spannbreite zeigt sich auch in der Beschäftigung: Wir suchen Spezialisten, zum Beispiel Systemanalytiker, Elektroniker, Projektleiter und Motorspezialisten, und fahren in manchen Bereichen Kurzarbeit.

Frage: Und mit dieser Spannbreite kommt die Firma klar?

Wittenstein: Ja, das ist das Besondere. In Deutschland hat sich ein Wandel vollzogen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen, dass sie voneinander abhängig sind, und dieses Gefühl der Gemeinsamkeit ist stärker geworden. Wir müssen also nicht den Betriebsrat davon überzeugen, dass wir in einer schwierigen Lage sind. Wenn sie eine vernünftige Kommunikationspolitik betreiben und den Betriebsrat ernst nehmen, dann sind heute Dinge möglich, die vor einigen Jahren nicht denkbar waren. Wir wissen aber auch: Das Leben geht weiter, die Krise geht vorbei, und dann wollen wir vorne dabei sein.

Frage: Sie glauben immer noch, trotz Auftragsabstürzen um die 50 Prozent, dass unsere Maschinenbauer stärker aus der Krise kommen als andere?

Wittenstein: Was mein Unternehmen anbelangt, glaube ich das sehr wohl, weil wir unsere Strukturen anpassen. Und viele andere tun das auch. Alte Dinge werden zurückgefahren, neue ausgebaut. Vom Grundsatz her ist unsere Branche hervorragend aufgestellt, wir haben keine Defizite im internationalen Wettbewerb. Und wir beschäftigten uns mit den zentralen Themen der Menschheit: Gesundheit, Klima, Energie, Wasser, aber zunehmend auch mit Elektromobilität.

Frage: Warum werden dann allein in diesem Jahr mindestens 50.000 Arbeitsplätze in der Branche abgebaut?

Wittenstein: Der Produktionsrückgang von 22 Prozent in den vergangenen Monaten hat uns überrascht. Und dieser enorme Einbruch ist ja nur ein Durchschnittswert. Es gibt Branchen, zum Beispiel Druck- oder Werkzeugmaschinenbau, da ist die Situation noch viel schlimmer. Ein Kapazitäts- und Personalabbau ist dann unumgänglich. Doch alles in allem bleibt der Stellenabbau weit unter dem Niveau des Produktionsrückgangs. Auch mit Hilfe der Kurzarbeit können wir unsere Stammbelegschaften zum großen Teil halten.

Frage: Einer Umfrage Ihres Verbandes zufolge wird es bei 54 Prozent der Firmen auch Abbau bei der Stammbelegschaft geben.

Wittenstein: Wir werden Einschnitte haben, vor allem in den Industrien, die besonders nach unten gezogen werden. Und es wird auch Konkurse geben. Doch diese Grundhaltung in unserer Industrie ist weit verbreitet: Wir müssen unsere Stammbelegschaften halten. In der Vergangenheit haben wir darunter gelitten, wenn wir in der Rezession zu viel Personal abgebaut haben.