Der Sportwagenbauer Porsche erwartet im Zuge der Veräußerung von Optionen auf VW-Aktien Buchverluste in Milliardenhöhe. Wie die Porsche Holding heute nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte, erwarte man im am 31. Juli ablaufenden Geschäftsjahr 2008/2009  einen Vorsteuerverlust von bis zu fünf Milliarden Euro. Im Jahr zuvor hatte Porsche wegen gelungener Spekulationen mit VW-Optionen einen Vorsteuergewinn von 8,5 Milliarden Euro eingefahren, der sogar den Umsatz (7,4 Milliarden Euro) übertraf.

Der geplante Verkauf der Optionen an das Emirat Katar wird dem verschuldeten Stuttgarter Autobauer aber frische Barmittel in Höhe von über einer Milliarde Euro bescheren, die bislang zur Absicherung der Optionen hinterlegt werden mussten, hieß es. Finanzexperten weisen auch daraufhin, dass Porsche durch die Verluste nun keine Steuer zahlen muss.

Vor einer Woche war der monatelange dramatische Übernahmekampf von Porsche und Volkswagen zugunsten von VW entschieden worden. Nach fast 17 Jahren an der Spitze des Sportwagenbauers musste daraufhin Wendelin Wiedeking zusammen mit Finanzvorstand Holger Härter seinen Posten räumen.

VW will den hochverschuldeten Sportwagenbauer nach und nach übernehmen und als eigenständige zehnte Konzernmarke eingliedern. Das Emirat Katar soll sich an der neuen Gesellschaft beteiligen. Viele Details stehen noch nicht fest; bis zum 13. August soll eine Grundlagenvereinbarung unterschrieben werden.

Laut Porsche befindet man sich mit dem Emirat Katar in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Verkauf der Optionen auf Volkswagen-Aktien. Damit würde Katar bei VW einsteigen. Mit der Beteiligungsgesellschaft des Emirats würden aber außerdem Gespräche über einen Einstieg bei der Porsche SE geführt.

Um die Optionen besser verkaufen zu können, wurden sie bilanziell abgewertet; dies führe zu "einer erheblichen buchhalterischen Ergebnisbelastung", hieß es in der Erklärung. Außerdem muss im abgelaufenen Geschäftsjahr durch die Erhöhung der Beteiligung der Porsche Holding SE an VW auf 59,76 Prozent der Wolfsburger Konzern erstmals voll konsolidiert werden. Dabei werden alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten von VW ermittelt und mit dem zum Erwerb der Aktien aufgewendeten Kaufpreis verglichen, um den Firmenwert zu ermitteln. "Die daraus resultierende Ergebnisbelastung wird ebenfalls deutlich ausfallen", schreibt Porsche. Dies seien aber rein buchhalterische Vorgänge, betont der Sportwagenbauer, der sich bei dem letztlich gescheiterten Versuch, VW zu schlucken, mit mindestens zehn Milliarden Euro verschuldet hatte.

VW-Chef Martin Winterkorn sagte, es seien noch viele sachlich schwierige Themen zu klären. Einen Arbeitsplatzabbau bei Porsche fürchtet er nicht. Der VW-Boss hält den Begriff "Auto Union" für einen möglichen Namen des neuen Automobilkonzerns aus Volkswagen und Porsche. "Es gibt einige Überlegungen wie etwa Auto-Union, aber noch keine Entscheidung. Dazu ist es viel zu früh", sagte er.