"Als Wettkämpfer, der ich nun mal bin, freue ich mich auf diese Herausforderung": Mit einem Statement auf seiner Homepage hat Michael Schumacher am Mittwochabend sein Comeback in der Formel 1 bekannt gegeben. Drei Jahre nach seinem Abschied vom Motorsport wird der 40 Jahre alte Rekordweltmeister für den verunglückten Ferrari-Piloten Felipe Massa an den Start gehen.

Der Deutsche wird nun an der Seite von Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen die verbliebenen Rennen der Saison bestreiten – und damit der Formel 1 nach dem am Mittwoch angekündigten Rückzug des Rennstalls BMW einen kaum neuen Hype bescheren. Das nächste Rennen findet am 23. August in Valencia statt.

"Ich habe mich heute Nachmittag mit Stefano Domenicali und Luca di Montezemolo besprochen und wir haben gemeinsam entschieden, dass ich mich darauf vorbereiten werde, für Felipe einzuspringen", heißt es in Schumachers Erklärung. "Obwohl das Thema Formel 1 für mich seit langem und komplett abgeschlossen war, kann ich aus Verbundenheit zum Team diese unglückliche Situation nicht ignorieren."

Seinem ehemaligen Teamkollegen Massa wünschte der Kerpener "alles Gute". Gleich zu Beginn seines Statements schrieb er: "Das Wichtigste vorweg: Gottseidank sind die Nachrichten von Felipe durchweg positiv." Der Brasilianer war am Samstag in der Qualifikation zum Großen Preis von Ungarn in Budapest verunglückt und liegt seitdem im Krankenhaus. Ob und wann er wieder ins Ferrari-Cockpit zurückkehrt, ist noch offen.

Schumachers Manager Willi Weber erläuterte die Gründe für das Comeback des Rekordweltmeisters. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte er: "Ferrari hat ihn gebeten, es zu machen und er konnte nicht Nein sagen." "Sie haben am Montag lange darüber diskutiert und die Entscheidung lag letzten Endes in seiner Hand. So wie er damals auch entschieden hat aufzuhören." Aus Kreisen des Ferrari-Formel-1-Teams hieß es, man habe ihn gefragt, ob er sich fit genug fühle und er habe ja gesagt. Schumacher sei die beste verfügbare Lösung. Natürlich müsse er sich nun vor allem physisch vorbereiten. Das Team und auch er müssten hundertprozentig von ihrem Tun überzeugt sein. Allerdings hieß es auch, dass Schumacher vor dem Rennen in Valencia vermutlich keine Möglichkeit habe, das Auto zu testen. Hintergrund ist das während der Sommerpause geltende Testverbot. Das sei aber kein Problem hieß es aus Ferrari-Kreisen, es handele sich schließlich um Michael Schumacher.  
 
Sein Manager selbst war anfangs nicht begeistert von der Idee. "Ich habe ihm eigentlich abgeraten, und ihm gesagt: Das Problem ist, die Erwartungshaltung der Menschen, wenn ein Schumacher wieder ins Auto steigt, dann wollen sie ihn siegen sehen." Doch Schumacher habe sich anders entschieden. "Er hat eine Riesenlust. Und eigentlich freue ich mich schon darauf, das wird ein schönes Wochenende", sagte Weber. "Mir war sowieso langweilig, ihm wahrscheinlich auch. Ich bin sehr gespannt, wo er landen wird." Er kündigte sogar eine gute Leistung an. "Er ist jedenfalls topfit, und gut vorbereitet, denn er hat jeden Tag trainiert, weil er fit sein will", sagte Weber, "er wird auf jeden Fall zwei bis drei Zehntel schneller sein als die bisherigen Stammpiloten, wenn nicht sogar eine halbe Sekunde." Die Frage sei nun, wie gut das Auto sei.
 
Schumachers Pressesprecherin Sabine Kehm teilte mit, Schumacher sei am Mittwochmittag in Maranello gewesen. "Dort hat er mit Ferrari darüber gesprochen", sagte sie gegenüber dem Tagesspiegel. "Das einzige Fragezeichen, das ich sehe, ist der Nacken, das ist ein Risiko." Diesen hatte er sich bei einem Motorradunfall Anfang des Jahres verletzt. "Er muss natürlich noch gesundheitliche Checks machen", sagte Kehm. Über den Comeback-Grund sagte sie: "Er hat sich aus Verbundenheit zu Ferrari dazu entschlossen." Er habe eigentlich ganz klar mit der Formel 1 abgeschlossen. "Aber das ist nun eine absolute Ausnahmesituation", sagte sie, "als Teil dieses Teams hat er sich dazu bereiterklärt." Er werde solange fahren, bis Felipe Massa wieder fit ist.

Schumacher hatte seine Karriere im Oktober 2006 nach sieben WM-Titeln, 91 Grand-Prix-Siegen und 250 Rennen beendet. Lange hatte der Wahl-Schweizer ein Comeback immer wieder ausgeschlossen, am Wochenende die vielen Spekulationen angeheizt und eine Rückkehr nicht ausgeschlossen. Wenn Ferrari auf ihn zukomme, werde er sich damit auseinandersetzen, ließ Schumacher am Sonntag mitteilen. Manager Weber hatte Schumachers Comeback noch vergangenen Sonntag ausgeschlossen.

Nun geht es für den vermeintlich besten Fahrer der Formel 1 darum, sich für das Rennen in rund drei Wochen fit zu bekommen. Trotz eines Motorradunfalls im Februar, bei dem er sich im Nacken verletzt hatte und wochenlang nicht trainieren konnte, fühlt sich Fitness-Fanatiker Schumacher körperlich bereit für die Herausforderung. "Rein vom Kopf her und wie ich mich körperlich fühle, könnte man das Gefühl haben, dass ich noch um den Sieg mitfahren könnte", hatte er vor rund zwei Wochen der Bunten erklärt.

Mit einem entscheidenden Manko wird der Perfektionist allerdings leben müssen: Wegen des Testverbots wird Schumacher vor dem Startschuss in Valencia keine einzige Runde mit dem aktuellen Rennauto drehen können.