Frank-Walter Steinmeier hat ein Machtwort gesprochen: Die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wird vorläufig nicht dem Kompetenzteam des SPD-Kanzlerkandidaten angehören. Wobei man das Wort "vorläufig" getrost streichen kann. Selbst wenn die SPD auch der nächsten Bundesregierung angehören sollte, wird Ulla Schmidt wohl nicht wieder am Kabinettstisch sitzen. Steinmeier hat, davon kann man ausgehen, die politische Karriere der Gesundheitsministerin beendet. Die Erklärung Steinmeiers sagt dazu alles. Da es sich vor allem um moralische und politische Vorwürfe handelt und nicht um rechtliche, kann Ulla Schmidt diese gar nicht "vollständig" ausräumen, wie es der Kanzlerkandidat nun fordert.

Steinmeier reagierte damit auf den Druck des Boulevards und auf die Eigendynamik des Sommerlochs. Ob es eine Affäre gab oder nur eine politische Kampagne gegen eine Ministerin, der ein Dienstwagen vorübergehend abhanden kam, spielte dabei keine Rolle. Zu groß war die moralische Empörung zumindest in Teilen der Öffentlichkeit, zu groß war auch das Unverständnis an der SPD-Basis, und zu groß waren gleichzeitig die Schlagzeilen in den Medien. Doch dass Steinmeier bei dieser Entscheidung ein Getriebener war, ist nur die halbe Wahrheit.

Denn gleichzeitig war das Krisenmanagement der Gesundheitsministerin dilettantisch. Sie und ihr Ministerium haben seit dem Wochenende immer wieder neue Erklärungen und Rechtfertigungen für die Nutzung des Dienstwagens im Spanienurlaub nachgeschoben und dadurch mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Da half es Ulla Schmidt auch nichts mehr, dass sie wiederholt darauf verwies, sie habe sich an die Vorschriften gehalten, im Urlaub auch gearbeitet und den geldwerten Vorteil privater Fahrten mit dem Dienstwagen versteuert. Die Ministerin wirkte dabei zumindest unbeholfen. Am Ende hat sich Ulla Schmidt ihren unrühmlichen Abschied selber eingebrockt.

Frank-Walter Steinmeier glaubte offenbar, keine Alternative zu haben als die Flucht nach vorn. Am Donnerstag will er in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs starten, sein Kompetenzteam vorstellen und anschließend mit einer programmatischen Rede beim Wähler punkten. In der kommenden Woche geht er auf Sommertour. In Dortmund, Braunschweig oder Chemnitz wird er nicht nur Kontakt mit den Wählern suchen, sondern auch Dutzende Journalisten im Schlepptau haben. Da hätten alle Fragen nach Ulla Schmidt nur gestört.

Schaden wird ihm die Distanzierung von der Gesundheitsministerin nicht. Dazu war Ulla Schmidt bei den Wählern nicht beliebt genug und dazu war auch ihre Gesundheitspolitik zu wenig erfolgreich. Der Gesundheitsfonds ist eines der Projekte der Großen Koalition, auf den die Sozialdemokraten nicht besonders stolz sind. Wahlkampf werden sie damit nicht machen wollen.

Ob es Steinmeier auf der anderen Seite nützt, das ist eine andere Frage. Einerseits hat der Kanzlerkandidat jenen Machtwillen demonstriert, den manch einer an ihm vermisst hatte. Insofern könnte ihm diese Entscheidung Rückenwind bescheren, zumal er sich dabei als gelehriger Schüler des Basta-Kanzlers Gerhard Schröder erwiesen hat. Doch angesichts der schlechten Umfragewerte wirkt der Rausschmiss der Gesundheitsministerin gleichzeitig nicht wie das politische Signal eines souveränen Kandidaten, sondern eher wie eine Verzweiflungstat.