Triathlon ist in, Triathlon ist cool, Triathlon ist trendy – das zeigt die Veranstaltung im westfälischen Münster. Vor Jahren dienten die Osmo-Hallen in Münster als Holzlager am Hafen. Kräftige Männer arbeiteten körperlich für ihren Lohn. Heute quälen sich hier mehrere Hundert Hausfrauen, Studenten und Schreibtischtäter. Mit Badekappe, Rennrad und Laufschuhen, heute ist hier Triathlon.

Wechselzone und Zieleinlauf sind überdacht, ein Stimmungskessel. Die etwa 7000 Zuschauer stehen auf den letzten Metern in Vierer-Reihen, für die Sportler ist ein roter Teppich ausgelegt, Musik wummert durch die Halle. Das kommt an.

Im zweiten Jahr ihres Triathlons verdoppelten die Münsteraner Veranstalter ihre Startplätze. Doch als die Online-Anmeldung im Februar, vier Monate vor dem Start, freigeschaltet wurde, brach der Server zusammen. Wenig später der zweite Versuch – der zweite Kollaps. Erst im dritten Anlauf hielt das System dem Ansturm stand: Nach nur 20 Stunden waren die gut 1000 Plätze ausgebucht.

Ein Beispiel von vielen. Wer 2010 bei einem Triathlon starten will, sollte besser heute als morgen die Anmeldung verschicken. Auch in Hamburg, wo am Wochenende der größte Triathlon der Welt stattfindet, geht für dieses Jahr schon seit langem nichts mehr. Langdistanz-Rennen kosten heutzutage mehrere Hundert Euro Startgeld und doch sind die Teilnehmerlisten meist schon weit im Voraus geschlossen.

Ist Triathlon der neue Marathon? Während viele Marathons über stagnierende oder rückläufige Zahlen klagen, scheint die Begeisterung für den Triathlon ungebremst. Dirk Brandewinder ist Vizepräsident Breitensport der Deutschen Triathlon Union (DTU) und kann den Anstieg von Startmöglichkeiten und Teilnehmern bestätigen. Zwar liegen der DTU erst im Herbst genaue Zahlen vor, "aber es gibt einen klaren Trend". So habe die DTU zum Beispiel einen deutlichen Mitglieder-Zuwachs. "Dabei startet die Masse der Starter ja bei Volksdistanzen und Staffeln ganz ohne Startpass", sagt Brandewinder.

Für Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott ist Triathlon definitiv keine Randsportart mehr. "Die Sportart ist in breiten Bevölkerungsschichten akzeptiert und es gibt eine Vielzahl von Neueinsteigern." Der Ironman, vor ein paar Jahren noch Herausforderung für Auserwählte, werde heute zur Massensportveranstaltung. Marathon-Dimensionen nehme dies zwar noch nicht an, doch werde der Ausdauer-Dreikampf zur echten Alternative.

Das merkt auch Claudius Pyrlik, Ex-Profi und Veranstalter mehrerer Triathlons in Hessen. Dank der deutschen Erfolge beim Ironman Hawaii, der WM in Hamburg und den Olympischen Spielen in Peking, muss er Behörden und Sponsoren seinen Sport nicht mehr erklären. "Früher kam direkt die Frage: Macht man das nicht nur im Winter?" Heute habe dagegen fast jeder einen Triathleten im Bekanntenkreis.

Längst ist der junge Sport auch für Sponsoren von Interesse. Die Agentur pilot nahm den Triathlon 2009 erstmals in ihre jährliche Sportmarketing-Studie Sponsor Visions auf, mit überraschendem Ergebnis: Platz fünf unter den Sportarten mit dem größten Potenzial. "Wir haben große Sportsponsoren wie Mercedes oder Telekom genauso befragt wie Agenturen und Sportvermarkter", sagt Christine Angenendt, Direktorin für Marktforschung. "40 Prozent gehen davon aus, dass Triathlon für Sponsoren in Zukunft noch wichtiger wird."