Es ist bereits der zweite Wahlgang in diesem Jahr. Die prowestliche Opposition konnte im Vergleich zu der von Fälschungsvorwürfen überschatteten April-Abstimmung deutliche Zugewinne verbuchen. Das teilten Soziologen nach Schließung der Wahllokale in der moldawischen Hauptstadt Chişinău mit. Die Kommunisten kamen demnach auf 41,7 Prozent der Stimmen beziehungsweise 45 Sitze im Parlament. Das sind mehr als zehn Prozentpunkte weniger im Vergleich zur Wahl vom 4. April. Zuletzt waren es 60 Mandate. Die prowestliche Opposition legte deutlich zu.

Die bisher alleinregierende Kommunistische Partei kann damit erneut nicht den Präsidenten stellen, aber ohne Hilfe nun auch nicht mehr die Regierung bilden. Als weiter stärkste Kraft muss die Partei von Präsident und Kommunistenchef Vladimir Voronin nun in Koalitionsverhandlungen treten. Er zweifelte die Prognosen jedoch an, nach denen schafften neben den Kommunisten vier Oppositionsparteien den Einzug ins Parlament. Die Demokratische Partei des früheren Parlamentspräsidenten Marian Lupu kam auf Anhieb über die 5-Prozent-Hürde auf 12,5 Prozent der Stimmen oder 13 Sitze.

Außerdem im Parlament vertreten sind die Liberaldemokratische Partei Moldawiens (17,4 Prozent; 19 Sitze) von Vlad Filat und die Liberale Partei (16; 16) sowie die Allianz Unser Moldawien (8; 8). Beobachter erwarten eine schwierige Regierungsbildung. Das Parlament in Moldawien entscheidet auch über den neuen Präsidenten, der mit mindestens 61 der 101 Mandate gewählt werden muss.

Die Neuwahl war notwendig geworden, nachdem sich die am 5. April gewählte Volksvertretung auf keinen Nachfolger für Voronin einigen konnte. Der 68 Jahre alte Kommunistenchef muss nach zwei Amtszeiten hintereinander als Präsident abtreten. Nach der Parlamentswahl im April hatte die Opposition Voronins Behörden Wahlfälschung vorgeworfen. Dies führte zu schweren Straßenkrawallen.

"Die demokratischen Kräfte werden im neuen Parlament eine regierungsfähige Mehrheit bilden", hatte der Liberaldemokrat Filat bei der Stimmabgabe gesagt. Rechnerisch können die vier Oppositionsparteien zwar die Regierung stellen, für die Präsidentenwahl fehlen ihnen aber mindestens fünf Stimmen. Sollte die Abstimmung über einen neuen Staatschef wieder scheitern, muss das Parlament erneut aufgelöst werden. Beobachter schließen nicht aus, dass es Anfang kommenden Jahres wieder zu vorgezogenen Wahlen kommt.

Der deutsche Beobachter Manfred Grund wertete die Wahl als Entscheidung für einen EU-Kurs des Landes. "Wir sind Zeugen einer Zeitenwende. Die Kommunisten können nicht mehr alleine regieren", sagte Grund als Länderbeauftragter im Bundestag für Moldawien in Chişinău. Mehr als die Hälfte der Wähler habe sich für eine der vier Oppositionsparteien und damit für einen Weg nach Europa ausgesprochen, sagte der CDU-Politiker.
 

Mit dem Ergebnis müsse nun ein Kompromiss für die Bildung einer demokratischen Regierung und die Wahl eines Präsidenten gefunden werden, sagte Grund. "Für uns in Europa stellt sich die Frage, wie gehen wir mit dieser Republik um was Reisefreiheit angeht und Integration." Als Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sagte Grund, dass der Wahltag selbst gut organisiert worden sei. Trotzdem habe es im Vorfeld Druck der Behörden auf die Wähler und eine Benachteiligung der Opposition im Wahlkampf vor allem in den ländlichen Regionen gegeben. Ungeachtet einiger Kritikpunkte hatten internationale Wahlbeobachter die Abstimmungen in der Vergangenheit als mit Abstrichen demokratisch bezeichnet. Die Zentrale Wahlkommission sprach von einer ruhigen Abstimmung.