Hermann Albers, Chef-Lobbyist der deutschen Windmüller, kann seine Begeisterung kaum zügeln: In diesem Jahr würden in Deutschland Windräder mit der Leistung von rund 2000 Megawatt installiert, schwärmt der Präsident des Bundesverbands Windenergie in Berlin. Das entspricht einem Wachstum von 20 Prozent zum Vorjahr. Von Wirtschaftskrise keine Spur – zumindest im Heimatland. Weltweit hingegen werde die neu installierte Windkraft-Leistung zurückgehen, sagt Albers.

In Zeiten der Wirtschaftskrise konzentrieren sich die Windmüller auf Deutschland, den Markt, mit dem sie groß geworden sind. Die Bedingungen scheinen gut: An Kredite zu kommen ist Albers zufolge vergleichsweise leicht. Im Gegensatz zu den Großbanken hätten sich Volksbanken und Sparkassen bislang kaum aus der Finanzierung von Windparks zurückgezogen. "Hier sind sogar erhebliche Kapitalzuflüsse entstanden", sagt er.

Zudem gelten seit Jahresanfang neue Regeln zur Windstrom-Vergütung gemäß dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG). Nutzen die Investoren sämtliche Boni aus, können sie mehr als zehn Cent je eingespeister Windstrom-Stunde erhalten – zuvor waren es, je nach Rechenweise, sieben bis acht Cent. Einige Projektierer warteten mit dem Netzanschluss ihres Windparks bis zum Stichtag 1. Januar 2009, um die erhöhten Fördersätze abzugreifen.

Schließlich hofft die Branche auf die Zuwächse aus dem Repowering, dem Ersetzen von alten, kleineren Anlagen durch höhere und damit leistungsstärkere, und dem Offshore-Geschäft. Bis Ende Dezember sollen in Nord- und Ostsee voraussichtlich Windräder mit der Kapazität von rund 100 Megawatt aufgestellt werden, so der Branchenverband.

Doch auch wenn das Geschäft hierzulande gut läuft und Hersteller und Lieferanten in diesem Jahr einen Umsatz von 9,7 Milliarden Euro erwirtschaften könnten – Deutschland ist schon lange nicht mehr der wichtigste Markt für Windmüller. Von den weltweiten Investitionen in Windenergieanlagen werden nur etwa neun Prozent in Deutschland getätigt. Für Produzenten wie Enercon oder Projektierer wie WPD ist das Auslandsgeschäft inzwischen weitaus wichtiger. Die Hersteller von Windmühlen exportieren mehr als 80 Prozent ihrer Produktion. "Deutschland ist kein Volumenmarkt mehr für uns", sagt Ralf Peters vom Anlagenhersteller Nordex aus Norderstedt. "Es ist ein sicherer Hafen für dieses Jahr, aber wir konzentrieren uns auf Südeuropa." Auch China und die USA seien interessant.

In diesem Jahr dürfte der amerikanische Markt jedoch kaum große Hoffnungen wecken. Schätzungen des Branchenverbands zufolge wird der dortige Markt in diesem Jahr um 30 Prozent schrumpfen. Das nach dem Boomjahr 2008, in dem sich die USA als weltweit wichtigster Markt etablierten und auf einen Marktanteil von knapp 30 Prozent kamen.

Deshalb ist die Branche schon auf der Suche nach anderen Standorten. Ihr Blick geht nach China, dem weltweit zweitwichtigsten Markt. "Wir hoffen, dass China den Einbruch in den USA kompensieren kann", sagt Albers. Wie die dänischen Beratungsfirma BTM Consult ausgerechnet hat, wuchs die Windkraft in China in den vergangenen beiden Jahren rasant. 2008 Jahr wurden im Reich der Mitte Windanlagen mit einer Leistung von rund 6200 Megawatt installiert – fast vier Mal so viel wie in Deutschland. Ein Geschäft, bei dem die Deutschen gerne mitmischen würden.

Noch aber ist der chinesische Markt komplett abgeschottet. Chinesische Windrad-Produzenten wie Goldwind oder Sinovel haben ihn fest in der Hand. "Ausländische Windanlagenhersteller haben – im Unterschied zu Zulieferern – kaum Marktzugang", sagt Thomas Herdan vom Verband  Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Es gebe zahlreiche Hürden: Einfuhrzölle seien hoch, an die Fertigung von Komponenten würden besondere Anforderungen gestellt, die Bearbeitung von Papieren an der Grenze werde zuweilen verschleppt. Herdan hofft, dass sich das bald ändert, damit "die deutsche Windindustrie auch von diesem Markt profitieren kann".